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Rückblick, Wochenende 6.-7.11., und Ausblick

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  • Rückblick, Wochenende 6.-7.11., und Ausblick

    Einen schönen guten Abend !

    Nachdem ich mich bei meinem gestrigen Update mit dem Fokus auf Ostösterreich womöglich Kummer bereitet habe , wieder ein umfassenderer Blick auf den Alpenraum.

    Zunächst ein kurzer Rückblick auf den Wochenanfang

    Starkniederschläge in den Südalpen, 31.10.-2.11.:

    Eine unfassbare Woche ging zu Ende, unfassbar deswegen, da in der Bosco del Cansiglio im veneto-venzianischen grenzgebiet der südalpen unglaubliche Regenmengen gefallen sind. Innerhalb von nur 72 Stunden fielen in Piancavallo (Kreis Polcenigo, ca. 20 km nordwestlich von Pordenone) ganze 810 Liter pro Quadratmeter.

    Auch sonst regnete es in den Südalpen zwischen Bassano und Julische Alpen enorme Mengen zwischen verbreitet 300 und 500 L/m² innerhalb 2-3 Tagen.

    Hier ein Link zu den Auswirkungen: http://www.protezionecivile.fvg.it/P...erei.htm?pos=0

    Klimawandel? Nein - alles schonmal vorgekommen, und zwar Anfang November 1966, da gab es bei einer ganz ähnlichen Wetterlage auch ähnliche Regensummen (bis zu 750 l/m² in 48 Stunden) in den Südalpen. Wer Englisch kann, kann sich hier einlesen: http://www.nat-hazards-earth-syst-sc...6-861-2006.pdf

    Die Zutaten waren ideal:

    ein Mittelmeertief, das sehr feuchte und warme Luft gegen die Südalpen schaufelt. Das mit einer anständigen Süd- bzw. Südostwindkomponente unterhalb Kammniveau, sodass es besonders in der ersten Gebirgskette nahe der Adria kräftig von Südosten stauen kann. Überdies waren die Niederschläge durchwegs schauerartig bzw. gewittrig durchsetzt geprägt, dank der warmen Adria und kalter Höhenluft (=> Labilisierung). Die Starkniederschläge erreichten noch die Karnischen Alpen, am Plöckenpass fielen immerhin 210 l/m² und in Kötschach-Mauthen 170 l/m². Markant unterschiedlich waren die Niederschlagsmengen von diesen Hotspots entfernt:

    So fielen am 31.10. und 1.11. in

    Kötschach-Mauthen: 157,8 l/m²
    Dellach: 109,6 l/m²
    Lienz: 33,0 l/m²
    Hermagor: 13,5 l/m²

    Besonders der Kontrast zwischen Kötschach und Hermagor auf relativ naher Entfernung beeindruckt. Zu den Ursachen kann ich nur spekulieren: wahrscheinlich gab es eine markante Windkonvergenz (Winde strömen zusammen) und dadurch verstärktes Aufsteigen.

    Ein weiteres markantes Ereignis diese Woche war der Westföhn am Alpenostrand zwischen Rax und Wienerwald, 4.11. und 5.11.:

    Hier wurden auch Temperaturekorde für November gebrochen. So wurde in Wiener Neustadt mit 23,1 Grad der alte Rekord von 20,9 geradezu pulverisiert. Spitzenreiter heute war Pottschach-Ternitz mit 23,7 Grad, aber auch sonst wurden von der Oststeiermark bis zum nördlichen Weinviertel verbreitet die 20 Grad überschritten. Dabei gab es kräftige bis stürmische Westwinde, mit den höchsten Windgeschwindigkeiten zwischen Wachau und Wien, wo sich das Donautal öffnet/verbreitert und dadurch eine Strömungsbeschleunigung erzwingt. Der Westwind überwindet den Wienerwald und durch das Absinken östlich davon erwärmt sich die Luft mit 1 Grad pro 100 m (wie bei Alpenföhn auch).

    Zwei weitere Faktoren kommen im Gegensatz zum westlichen Donauraum dazu, wo es ebenfalls starke, aber nicht stürmische Böen gab, und außerdem kühler blieb.

    1. je stärker der Wind, umso höher die Durchmischung mit höheren Luftschichten (wärmere Luft in der Höhe wird herabgeholt)

    2. durch das Hindernis wird die Strömung zusätzlich zum Absinken erzwungen

    Die Sonneneinstrahlung war stromaufwärts auch gegeben, spielt bei diesen Windgeschwindigkeiten aber kaum eine Rolle, was die Höchstwerte betrifft, siehe die Morgentemperaturen.

    Abschließend noch zwei Skizzen zu einem Phänomen, das speziell zwischen Leithagebirge und Mostviertel auftritt, wenn eine starke West- oder Südströmung in der Höhe herrscht:



    Schwarz sind die Linien gleichen Luftdrucks (Isobaren), rot sind die Windpfeile bei warmer Luft, blau bei kalter Luft.

    Der Fall a) zeigt die Situation bei Südföhn, der tiefere Luftdruck liegt folglich an der Alpennordseite. Durch die Überströmung des Wienerwalds bildet sich bei Wien oft ein geschlossenes kleinräumiges Tiefdruckgebiet, der vortex vindobonensis (lateinisch vortex = wirbel, vindobonensis = Wiener..) - ein Leewirbel. Er saugt warme, trockene Winde von Süden (als Föhnluft über die Voralpen/Wienerwald) bzw. von Südosten (Pußtawind, von Ungarn) an, aber auch kalte Luft vom Donauraum bzw. Tullner Feld.

    Dann geschehen Unterschiede wie vergangenen Sonntag, als Langenlebarn 7 Grad und Westwind hatte, während in Stockerau 14 Grad und Südostwind vorherrschten.

    Im Fall b) kommt der Wind von Westen, der tiefere Luftdruck befindet sich entsprechend am Alpenostrand. Da der Wienerwald nicht so hoch wie die eigentlichen Alpen ist, fällt auch der Leewirbel meist schwächer aus, er bildet selten eine geschlossene Zirkulation aus, sondern ist als Leetrog sichtbar (d.h. die Isobaren bilden keine abgeschlossene Blase, sondern ähneln einem Futtertrog) . Nun ist es umgekehrt. Im Westen dieses Troges im Lee des Wienerwalds herrscht Absinken und ein warmer Föhnwind, während weiter im Osten noch kältere Luft aus Südost vorliegt.

    Je nach Anströmung entstehen also im Wiener Raum teils große Unterschiede auf engstem Raum, was im Winter bei Westströmung zu starken Schneefällen im Seewinkel bis Schwechat führen kann, während die westlichen Bezirke Wiens schon mild im geringen Regen stehen. Dieses Phänomen ist auch dafür verantwortlich, dass die Hochnebelkante manchmal genau über Wien verläuft.

    Je nach genauer Anströmung wurden schon Leewirbel im Tullner Feld, in Wien und im Steinfeld beobachtet.

    Zusammengefasst entscheidet der Wiener Wirbel also darüber,...

    ...wie warm oder kalt es auf engstem Raum wird
    ...ob es Schnee oder Regen gibt
    ...ob es Hochnebel oder Sonne gibt
    ...ob die Luft dunstig und mit Schadstoffen verunreinigt oder klar und sauber ist.
    ...ob der Wind stark oder schwach ist und aus welcher Richtung er dabei kommt.


    Der Wirbel ist dabei kein statisches (ortsfestes) Gebilde, sondern verlagert sich, verstärkt sich, löst sich auf. So hat sich bis heute auch
    bis zum Leithagebirge und Marchfeld die wärmere Westwindluft durchgesetzt.

    Für den Vorhersager keine einfache Sache, auch wenn es gewisse Anzeichen gibt, aber spannend alle Mal.

    Im zweiten Teil dann zum Wochenendausblick:
    Zuletzt geändert von Exilfranke; 05.11.2010, 22:04.
    http://www.wetteran.de

  • #2
    AW: Rückblick, Wochenende, 6-7.11. und Ausblick

    Zur Ausgangslage:

    Die lebhafte Westströmung mit den für November ungewöhnlich milden Luftmassen (wobei es 2008 und 1997 ähnlich warm war wie jetzt) geht morgen zu Ende. Dann stellt sich die Wetterlage erstmal um. Dafür verantwortlich zeichnet ein Tief über der Ostsee, dessen Kaltfront sich dem Alpenraum morgen annähert. Im Vorfeld verstärkt sich die Westströmung vor allem in der Höhe, und erreicht in Kammhöhe der Alpen Mittelwinde von 80-90 km/h. Damit wird es am Alpenostrand nochmal föhnig, sonst passiert eher wenig. In der Nacht zum Sonntag bildet sich im Alpenraum ein Tief, dadurch wird die Kaltfront wieder rückläufig, die Kaltluft erreicht bis Montag den östlichen Alpenraum vorauss. nicht. Die entstehende Warmfront durch das Italientief wird dann für großflächige Niederschläge sorgen, wobei aus jetziger große Unsicherheiten bestehen, wo, wieviel Niederschlag fallen wird.

    Heute nacht und morgen Vormittag wird sich vor allem im Schweizer Mittelland, im Rheintal, vom Innviertel bis ins Mostviertel sowie in Unterkärnten und evtl. Mur-Mürz-Furche wieder Hochnebel halten, der sich aber bis Mittag weitgehend aufgelöst haben sollte. Tagsüber ziehen dann einige hochliegende Wolken durch, die aber harmlos bleiben, gegen Abend verdichten sich dann im Westen und Norden allgemein die Wolken. Die Nullgradgrenze liegt morgen zwischen 2500 und 3000 m.

    Der Sonntag wird allgemein recht bewölkt ablaufen. Recht sicher ist, dass die Westalpen sowie bis Tiroler Oberland zuerst betroffen sind, und auch die Südalpen bis Karnische Alpen, für das restliche Gebiet, also vom Tiroler Land ostwärts gehen die Wettermodelle trotz des nahen Zieltermins weit auseinander. Ich kann derzeit also keine Aussage darüber treffen, ob es am Sonntag tagsüber dort noch trocken bleiben wird, und wann der Regen einsetzt.

    Trend für Wochenbeginn:


    Schwerpunkte kristallisieren sich dann für die Nacht auf Montag und Montagvormittag heraus: von der Ostschweiz über Tirol bis Oberkärnten und Friulische Alpen. Die Schneefallgrenze sinkt in der Nacht auf Montag an der Alpennordseite bis in tiefe Lagen ab (400-600 m), an der Alpensüdseite liegt sie je nach Niederschlagsintensität zwischen 1200 und 1600 m. Von der Südsteiermark bis zum Mostviertel und ostwärts regnet/schneit es vorauss. weniger.

    Der Dienstag wird im ganzen Alpenraum unbeständig und vielerorts nass verlaufen. Eine Tiefdruckzone liegt dann quer über den Alpen und sorgt abwechselnd für südföhnige Auflockerungen und Regenfronten. Den Löwenanteil der Regenfälle kriegt wieder der Südalpenraum ab, inkl. Karnische Alpen.

    Der mittelfristige Trend geht weiter Richtung nass, wobei eine recht große Temperaturspanne möglich ist.

    In diesem Sinne: morgen nutzen, Sonntag östlich der Tauern bedingt nutzbar, Montag komplett schiach, Dienstag gebietsweise schiach.

    Gruß,Felix
    http://www.wetteran.de

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    • #3
      AW: Rückblick, Wochenende, 6-7.11. und Ausblick

      Das nenn ich ein Service! Danke für die verständliche Darlegung - macht mir immer Vergnügen detailliertere Prognosen zu lesen die ich auch noch verstehen kann! LG und ein schönes WE!

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      • #4
        AW: Rückblick, Wochenende, 6-7.11. und Ausblick

        Zitat von Reinhold Viehberger Beitrag anzeigen
        Das nenn ich ein Service! Danke für die verständliche Darlegung - macht mir immer Vergnügen detailliertere Prognosen zu lesen die ich auch noch verstehen kann! LG und ein schönes WE!
        Sehe ich ebenso

        Danke, Felix !
        ACHTUNG : Posting kann Spuren von Ironie enthalten !
        Vor einer Erleuchtung muß man Holz hacken - danach auch. (Zen-Weisheit)
        Etwaige Rechtschreibfehler sind als Vorwegnahme künftiger Rechtschreibreformen zu werten.

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