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Tauernminiaturen – klein aber fein! 22.u.23.6.2021, N Tauern

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  • Tauernminiaturen – klein aber fein! 22.u.23.6.2021, N Tauern

    Karlspitzen, Moaralmspitze, 2267 m, Kühofenspitze, 2250 m
    Von Stanglalm zum Moaralmsee Überschreitung Karlspitzen – Moaralmspitze, Kühofenspitze, Abstieg Nordgrat, Scharte, Moaralmsee, Stanglalm, I-II
    22.6.2021

    Dieser Tag ermöglicht mir wegen diverser Feierlichkeiten am Vorabend keinen frühen Start. Etwas Kleineres muss also herhalten – egal.
    Von Schladming/Pruggern kann man mit dem PKW relativ weit, bis zur Stanglalm/Moaralm (Stanglalm liegt knapp vor der Moaralm) hochfahren. Das kommt meinem Plan für eine kürzere Unternehmung entgegen.
    Tatsächlich erreiche ich die Stanglam bereits gegen 8 Uhr morgens und es könnte losgehen – könnte…
    Kurz vor der Alm winkt jemand und als ich anhalte, fragt er mich ob ich mich hier „auskenne“ (geografisch). Es hätte ihn nämlich gerade mit dem Fahrrad geschmissen und er meint, er hätte sich dabei das Schlüsselbein gebrochen…
    Tja – natürlich „kenne ich mich aus“. Ich sage: „Steig ein, wir fahren ins Spital!“
    Kurz und gut, nachdem ich diese Samariteraktion abgeschlossen habe, bin ich eine Stunde später heute zum zweiten Mal auf der Alm startklar.
    Ok, wir werden sehen, was sich noch ausgeht… Hier eine Übersicht:
    Mo-001.jpg

    In weiten Kehren leitet zunächst eine Forstrasse empor Richtung Moaralmsee. Schließlich mündet sie in den markierten Steig und ich erblicke bereits den Höchstein:
    Mo-002.jpg
    Dieser rückt bald näher und ich erreiche den Moaralmsee
    Mo-003.jpg

    Rechts davon liegen Moaralmspitz und die völlig unbekannten Karlspitzen:
    Mo-004.jpg
    Auf diesen war auch ich zuvor noch nicht und sie gehören zu den letzten „Bröseln“ der Niederen Tauern, die ich noch nicht kenne.
    Ein Zoom zeigt genau meinen Überschreitungsplan:
    Mo-005.jpg
    Von rechts auf die 2 Karlspitzen und weiter zum Doppelhöcker der Moaralmspitzen.
    Der erste, plattige Teil könnte für Überraschung sorgen, eine Info im alten AV-Führer sucht man vergebens.

    Nun folge ich dem markierten Weg in die Scharte zwischen Bärfallspitze und Karlspitzen (hinten deutlich zu sehen).
    Mo-006.jpg

    Als ich an einer weiteren kleinen Lacke vorbeikomme, möchte ich am liebsten sofort hinein hupfen. Aber das spare ich mir für den Nachmittag auf… Blick zurück.
    Mo-007.jpg

    Dann erreiche ich die mit einigen Almrauschtupfen verzierte Scharte:
    Mo-009.jpg

    Ein Tiefblick zu den Seen, der Grimming im Hintergrund und die Felsspitzen des Hochlabecks, über die ich bereits einmal berichtet habe:
    Mo-008.jpg

    https://www.gipfeltreffen.at/forum/g...chlabeck%C2%85

    Jetzt wird´s spannend und ich folge dem Nordgrat der Karlspitze zunächst recht einfach, aufwärts. Es folgen Platten, die man über gatschiges Steilgras umgehen könnte. Darauf verzichte ich zunächst gern, denn der Fels ist trocken und gut.
    Etwa in Gratmitte folgt eine Steilstufe, wieder die Wahl: IIIer mit ungewissem Ausgang oder kritische Grasumgehung. Ich zögere und überlege, ob ich von dem ersten Zacken auch wieder runterkomme. Sonst müsste ich alles zurück klettern…ist schon jetzt etwas heikel. Ich kehre um.
    Auf dem markierten Weg umgehe ich den Zacken und entdecke, dass ich hinten einfach über eine Rinne zum geplanten Grat hochsteigen kann. Gesehen – getan!
    Gleich bin ich oben und sozusagen „von hinten“ kann ich nun leicht auf den Karlspitz gelangen. Er trägt ein kurioses Kreuz (Dachsteinblick):
    Mo-010.jpg
    und birgt einen beinahe historischen Schatz:
    Mo-011.jpg
    Neugierig blättere ich in dem uralten, aber noch gut erhaltenen Gipfelbuch.
    Mo-012.jpg

    Mo-013.jpg
    Gleich auf der ersten Seite erfahre ich, wer der Erstbegeher dieses Grates war, den ich eben vergeblich versucht habe. Und dass diese Überschreitung seinerzeit von Bergsteigerschulen öfters unternommen wurde.
    Ein Rückblick auf mein „versäumtes Gratstück“ belehrt mich zusätzlich: Die Überschreitung wäre problemlos gewesen:
    Mo-014.jpg
    Wenn man es halt immer vorher schon wüsste…
    Ein Blick nach Süden mit dem dominanten Zwiesling und dem Doppelhöcker der Moaralmspitzen, dort möchte ich nun hin:
    Mo-015.jpg
    Das sieht nicht besonders schwer aus, ich bin zuversichtlich. Bald steige ich wieder in meine Aufstiegscharte zurück ab und verfolge den Grat weiter.

    Zuletzt geändert von tauernfuchs; 15.07.2021, 15:53.

  • #2
    Ein Blick zurück auf den eben verlassenen Karlspitz lässt kaum glauben, dass der Aufstieg kaum mehr als ein Einser war:
    Mo-016.jpg

    Zwischendurch schau ich hinüber zu Grimming, Kammspitze und Stoderzinken (v.r.n.l.), unten der Moaralmsee:
    Mo-017.jpg

    Nun könnte ich die Verschneidung zwischen dem Doppelgipfel anpeilen
    Mo-018.jpg
    und in den Schrofen recht einfach emporkommen. Ich ziehe es jedoch vor, dem hübschen Grat zu folgen (I-II) und erst bei dem Steilaufschwung über die Platte nach rechts zu queren. Zunächst aber heißt es doch noch zwingend eine senkrechte Wandstufe abklettern (II). Ein Blick zurück, etwa in Bildmitte das steile Wandstück:
    Mo-020.jpg

    Und dann - am Gipfel des Moaralmspitz, ich weiß es bereits: Wieder ein Buch von 1965:
    Mo-021.jpg
    Aus diesem geht auch hervor, dass der Bärfallspitz früher Perfallspitz hieß und mit einem gefallenen Bären nichts zu tun hat.
    Über den recht einfachen Westgrat gehe ich Richtung Kaiblinglochscharte, wo die Schafe die Köpfe in den Schatten strecken:
    Mo-022.jpg

    Auch über deren Köpfe hinweg ergibt sich ein hübscher Ausblick:
    Mo-023.jpg

    Das Wetter ist so wunderbar und so möchte ich es nicht versäumen, auch dem (selbst im AV-Führer) völlig unbekannten Gipfel des Kühofenspitz, einen Besuch abzustatten. Ein eher harmloser Schrofengrat bringt mich dorthin (I).
    Unterwegs ein Rückblick zu Höchstein und Zwiesling und meinen von links kommenden, harmlosen Verbindungsgrat:
    Mo-024.jpg

    Am Gipfel angekommen, die 3. Gipfelbuchüberraschung des heutigen Tages:
    Mo-025.jpg
    Das Buch perfekt erhalten, jetzt allerdings bereits von 1966…
    Mo-026.jpg

    Nun beschließe ich, auch den NO-Grat des Kühofenspitz noch zu erforschen.
    Das gelingt zunächst recht problemlos. Ein Blick nach Gegenüber, dort stehen die beiden Karlspitzen, von denen ich die Rechte von rechts her erreicht habe:
    Mo-027.jpg

    Der NO-Grat des Kühofenspitz kann Überraschungen bergen, das weiß ich aus früherer Betrachtung. Tatsächlich stellt sich bald ein überhängender Zacken in den Weg und ich bin froh, die richtige Richtung, nämlich den Abstieg gewählt zu haben.
    Der erste Überhang ist zwar nicht ausgesetzt aber ordentlich abdrängend, II+, dann aber folgt ein gut 20 Meter langer Quergang (I+) luftig über der Abbruchkante. Zuletzt steckt sogar noch ein alter Haken (II) – ich wandle auf historischen Spuren…
    Das war`s dann aber auch schon und über Blockwerk geht´s hurtig hinab.
    An geeigneter Stelle verlasse ich dann den Grat Richtung Liftanlage und quere im Kar hinüber zu meiner Scharte zwischen Bärfallspitze und Karlspitz.
    Ein Blick auf das Gratprofil des Kühofenspitz zeigt nach der zweiten Gratscharte vom Gipfel weg, die überhängende Zone:
    Mo-028.jpg

    Die Scharte ist erreicht und ebenso bald die malerische, von mir ersehnte Lacke:
    Mo-029.jpg
    Drinnen tummeln sich zahlreiche Molche
    Mo-030.jpg
    Aber sie sollten nicht lange unter sich bleiben. Das Wasser ist gerade 2 Meter tief und für alpine Verhältnisse pudelwarm. Daher fühle ich mich darin geraume Zeit auch pudelwohl.
    Ganz anders als der Moaralmsee, den ich auch teste, dessen einstellige Messwerte mich aber nach kurzem Tauchbad wieder hinausjagen.
    Mo-031.jpg
    Mit diesem prächtigen Anblick verabschiede ich mich und im Abstieg Richtung Stanglalm tauche ich wieder ein ins dichte Pflanzengrün der Tauern.


    Noch abends mache ich einen kleinen Standortwechsel ins Schladminger Obertal, wo ich in meinem Schlafauto nächtige. (gerade noch rechtzeitig vor der Maut und Sperre).

    Gleich folgt der nächste Tag....
    Zuletzt geändert von tauernfuchs; 15.07.2021, 15:42.

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    • #3
      Landauersee
      Von Hopfriesen, Lackneralm, Jagdsteig, Knappenkreuz und zurück
      23.6.2021

      Heute bleibt mir nur ein Halbtag, aber ich möchte auch diesen nützen, wenn ich schon einmal da bin. Von meinem Auto aus kann ich sehr früh starten. Ich habe als kurzes Ziel den etwas abgelegenen Landauersee ins Auge gefasst. Die meisten Wanderer gehen, den Giglachsee anvisierend, an diesem verstecken Gewässer vorbei – oft ohne überhaupt zu wissen, dass dieser ganz in ihrer Nähe vor sich hinschlummert.

      Zunächst folge ich, vom Schladminger Obertal /Tauerngold/Hopfriesen aus dem markierten Weg zur Lackneralm.
      L-Lan-001.jpg
      Den putzigen Kälbern nähere ich mich nicht, könnte ja sein, dass die Mamas das nicht mögen…
      Stattdessen begebe ich mich unmittelbar hinter der Alm auf Jagdsteigsuche.
      Hier, links des Felsens über die Wiese sollte der Steig hinaufführen, sollte…
      L-Lan-002.jpg
      Das ist alles andere als einfach und die Gefahr weiter oben in den Stauden zu verhungern ist wirklich groß. Akribisch achte ich auf Steigspuren was angesichts dieses Dschungels schon Sinn macht
      L-Lan-003.jpg

      Doch mit etwas Geduld und Gespür werde ich fündig und siehe da:
      L-Lan-004.jpg
      Ab jetzt leitet mich ein guter Steig und bald überschreite ich eine kleine Schwelle, hinein in einen verborgenen Grünboden.
      L-Lan-005.jpg

      Geheimnisvolle Pfützen zwinkern mir zu
      L-Lan-006.jpg

      Und schließlich, unter den umwölkten Murspitzen, da liegt er: Der Landauersee!
      L-Lan-008.jpg
      Versteckt in einem grünen Talkessel
      L-Lan-010.jpg

      Die Landaueralm scheint unbewohnt
      L-Lan-012.jpg
      Aber kleine Gäste wohnen dicht neben ihr
      L-Lan-013.jpg

      Diese junge Kreuzotter hatte Glück. Sie war gerade einmal 15 cm lang, ins Gras hinein verstrickt. Leicht hätte ich sie versehentlich zertreten können…
      Auf einen weiterführenden Steig muss ich heute verzichten, ich finde ihn zu spät.

      Zuletzt geändert von tauernfuchs; 15.07.2021, 15:54.

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      • #4
        Zwischen den Felsen leuchtet der Almrausch
        L-Lan-014.jpg
        und ich genieße das einsame Ambiente.
        L-Lan-016.jpg

        Selbstverständlich muss ich auch in diese Fluten eintauchen, ist einfach zu verlockend
        L-Lan-017.jpg

        Aber auch der Betrachter kommt hier auf seine Kosten, Idylle pur!
        L-Lan-018.jpg

        L-Lan-020.jpg

        Der tosende Giglachbach speist diesen See
        L-Lan-021.jpg
        von dem ich mich mit diesen Rückblicken verabschiede
        L-Lan-022.jpg

        L-Lan-023.jpg

        Und Im Abstieg darf ich noch den fast wasserfallartigen Ablauf des Landauer Sees bewundern
        L-Lan-025.jpg


        LG

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        • #5
          Wie immer sind Deine Berichte die beste Abendunterhaltung. Die Gegend ist mir absolut unbekannt... wunderschöne Seen. Danke fürs zeigen!
          Bei den Bergen ist es so: Je höher man steigt, umso weiter ist die Sicht; bei den Menschen ist es oft umgekehrt (Otto Baumgartner-Amstad)

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          • #6
            Mit den Gipfelbüchern hast du ja richtige Schätze entdeckt.

            Spannende Touren.

            Danke für's Mitnehmen und zu Tag 1 natürlich

            LG, Günter
            Meine Touren in Europa

            Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
            (Marie von Ebner-Eschenbach)

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            • #7
              Danke euch, fein wenn´s gefällt!
              Spannend für mich war auch, auf historischen Spuren zu wandeln. Die Gipfelbücher gewährten mir auch Einblick in eine völlig veränderte bergsteigerische Mentalität/Routenplanung: welche Bergsteigerschule würde heutzutage ihre Anfänger über teils heikle Tauerngrate lotsen...

              LG

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              • #8
                Wieder ein pipifeiner Bericht.
                Lg. helmut55

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                • #9
                  Ich finde deinen Bericht auch besonders lesenswert. Sehr schöne Bilder, aber auf die ausgesetzten Grate will ich nicht rauf. Mir gefällt der zweite Teil besser. Der Aufstieg von der Lackneralm zum Landauersee, davon habe ich noch keinen Bericht gelesen. Ich bin da vor einigen Jahren mal rauf und habe im Dschungel nach einem Weg gesucht. Bin danach noch auf den Vogelsang hinauf, wo ich auch lange nach dem Steig gesucht habe. Vielleicht interessiert dich oder andere mein Bericht. Siehe hier: http://www.paulis-tourenbuch.at/2018...vogelsang.html

                  Ich habe auch noch nie einen Bericht über eine Vogelsangbesteigung gelesen.
                  Besucht mich auf www.paulis-tourenbuch.at

                  "Das Beste, was wir auf der Welt tun können, ist Gutes tun, fröhlich sein, und die Spatzen pfeifen lassen." -Don Bosco-

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                  • #10
                    Danke euch!
                    @pauli501
                    Auch deinen Bericht habe ich mit großem Interesse gelesen, denn der Vogelsang wäre auch mein Ziel gewesen! Nur hatte ich an diesem Tag nicht mehr genug Zeit, schon zuviel mit der Wegsuche vertan. Gleich wie du bin ich zunächst dem verlockenden Weg in das schöne Wiesenkar gefolgt, wo aber nichts weiter geht. Wenn man vom Landauersee wieder zum markierten Weg steigt, sieht man natürlich (für mich zu spät) den richtigen Steig zu oberen Hütte... Ich habe mir aber vorgenommen, ein anderes Mal zum Vogelsang aufzusteigen. Dann möchte ich aber noch über den Kornreitwipfel zum Schiedeck, mal sehen...

                    LG

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                    • #11
                      Großartige Touren und Tourenbeschreibungen. Wie immer. Danke dir recht herzlich dafür. Lg Peter

                      Kommentar


                      • #12
                        Super Manfred

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