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West-Ost-Überschreitung der Wildalpe (1523m), Mürzsteger Alpen / 27.05.2023

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  • West-Ost-Überschreitung der Wildalpe (1523m), Mürzsteger Alpen / 27.05.2023

    Für Samstag, den 27. Mai 2023 war prachtvolles Tourenwetter angekündigt: nahezu keine Wolken, nur leichter Wind und angenehm-moderate Temperaturen.
    Der Blick auf diverse Webcams zeigte, dass abseits von steilen schattigen Rinnen oder Karen unterhalb von etwa 1600 bis 1700m kein Schnee mehr zu erwarten war. An den langen Tagen Ende Mai wären auch bereits sehr ausgedehnte Touren möglich - allerdings natürlich nur mit entsprechend zeitigem Aufbruch.

    Aber ich möchte mir am Beginn dieses Tages etwas mehr Zeit lassen. So entscheide ich mich, einen bereits seit Jahren gehegten Plan umzusetzen: eine Überschreitung des Rückens der Wildalpe an der oberen Mürz in ihrer gesamten Länge. Der Bergstock ist ja vor allem als Winterziel mit Tourenschiern und (in geringerem Maße) Schneeschuhen beliebt. Insgesamt viermal habe ich ihn in den letzten 15 Jahren bestiegen, stets im Winterhalbjahr bei mehr oder weniger hoher Schneelage. Vom Lahnsattel oder Frein als Ausgangsorten kam ich dabei noch nie weiter nach Westen als bis genau zum Gipfelkreuz.

    So mache ich mich auf die Fahrt nach Frein und parke nahe dem Freinerhof. Trotz des Prachtwetters ist es am frühen Vormittag hier noch sehr ruhig.
    Es mag manche abschrecken, dass man bei einer Rundtour über die komplette Wildalpe zu Beginn oder am Schluss einige Kilometer im Tal des Freiner Bachs unterwegs sein muss. Das Strässchen ist zwar seit längerem für den öffentlichen Verkehr gesperrt und nicht asphaltiert, aber die Strecke verspricht wenig Abwechslung.
    Ich breche in diese Richtung auf und nütze bereits nach etwa einem Kilometer die Möglichkeit, auf eine Forststraße zu wechseln, die nördlich etwas oberhalb des Talbodens verläuft. Da bieten sich die ersten hübschen Ausblicke in die sehr frühlingshaft grün wirkende Landschaft:
    über das Tal mit einzelnen Häusern und Gehöften zur Nordseite der Prolesalpe...
    005-Freinerbach-Prolesalpe.jpg

    ...sowie talauswärts zu den Zacken des Großen Sonnleitsteins und des Glatzeten Kogels im Hintergrund.
    008-Oberfreinweg-GrSonnleitstein.jpg

    Eine Folge von Forststraßen bringt mich in einigen Kehren und angenehmer Steigung dann deutlich weiter hinauf, sodass ich bei dieser kleinen Lichtung nahe Moosbrand bereits fast 1100 Meter Höhe erreicht habe.
    014-LichtungbeiMoosbrand.jpg

    Noch ein Stück am Südhang, dann erreiche ich knapp oberhalb des Freinsattels den Westanstieg zur Wildalpe und stehe wenige Minuten danach bereits knapp unter dem ehemaligen Gehöft (der ehemaligen Alm?) Am Gsenger. Da hat sich doch etwas gegenüber den mir vertrautesten Fotos geändert: Richtig, das vordere Gebäude, von dem nur mehr ein Teil der Mauern stand, wurde komplett abgebrochen, das obere Gebäude hingegen saniert, denn es macht nun einen weniger baufälligen Eindruck.
    017-AmGsenger.jpg

    Die große, nach Südwesten geneigte Wiese ist landschaftlich sehr schön und bietet speziell nun im fortgeschrittenen Frühjahr einen wunderbaren Anblick!
    023-AmGsenger.jpg

    Gleich oberhalb der Gebäude ist es viel lohnender, auf dem alten Ziehweg anzusteigen als die (lange) Kehre der Forststraße auszugehen. Hier bietet sich der erste Gesamteinblick in die Berglandschaft der Mürzsteger Alpen: Links oben stehen die beiden benachbarten Königskögel, und im Hintergrund erhebt sich mit der Veitschalpe der höchste Stock der gesamten Gruppe, knapp an 2000m heranreichend.
    027-AmGsenger-BlickKönigskögelVeitschalpe.jpg

    Dieser Anblick ruft nach dem Einsatz des Teleobjektivs: Hohe Veitsch und Großer Wildkamm stark herangezoom.
    030-ZoomHoheVeitsch-GrWildkamm.jpg

    Im Westen dominiert der ausgedehnte Plateaustock des Dürrensteins die Szenerie.
    Dort scheint es sinnvoll, mit Touren noch ein wenig zu warten, da doch einiger Restschnee liegt, der das Vorankommen in manchen Passagen deutlich erschweren könnte.
    029-ZoomDürrenstein.jpg

    Nach einem kurzen Stück auf der Forststraße oberhalb der Weide kürze ich im Wald nochmals eine längere Kehre ab. Hier ist der Boden z.T. frisch aufgegraben, möglicherweise wegen des Legens einer Leitung. Wo ich die Sandstraße wieder erreiche, führt sie bald auf die weiten Almböden hinaus, die den Rücken der Wildalpe charakterisieren. Die beiden Sender nahe dem höchsten Punkt sowie (zumindest in Natura) das Gipfelkreuz sind im Hintergrund schon gut zu erkennen.
    032-WildalpevonWesten.jpg

    Es ist so wohltuend, welchen farbenfrohen Anblick die Wiesen inzwischen auch in Höhen von etwa 1400 Metern bereits bieten!
    Am meisten trägt dazu natürlich das satte Blau des Frühlingsenzians bei.
    040-bunteWiese-Frühlingsenzian.jpg

    Der Kamm vor dem Schlussanstieg bildet einen besonders hübschen Vordergrund für den Ötscher, den ich heute natürlich mehrere Stunden lang immer wieder im Blick habe.
    Ganz links ist gerade noch die Gemeindealpe zu sehen, und der bewaldete Kegel rechts im Bild ist der Schwarzkogel nördlich des Halltals.
    042-Gemeindealpe-Ötscher.jpg

    Der Blick fast in die Gegenrichtung, nach Südosten, erfasst hinter der Südflanke der Wildalpe den gesamten Stock der Schneealpe, mit dem Spielkogel und den Anhöhen um die Hinteralm davor.
    045-Spielkogel-Schneealpe.jpg

    Am letzten Anstieg öffnet sich ein viel weiterer Ausblick Richtung Westen, erneut u.a. mit dem Dürrenstein. Die namenlose Kuppe mit 1412m im Vordergrund bildet das westliche Ende des Kamms der Wildalpe. Auf ihr steht eine Jagdhütte mit eigener Zufahrt, vor der tatsächlich Autos stehen...
    Der Anstieg vom Freinsattel kommt etwas mehr von Süden (=links im Bild) auf die Anhöhe herauf.
    049-PanoramaWesten.jpg

    Bis knapp unter dem Gipfel kann ich noch diesem alten Ziehweg folgen. Den Hintergrund bildet - heute erstmals so vollständig zu sehen - die markante Südflanke des Göllers.
    054-Ziehweg-GöllerSüdflanke.jpg
    Zuletzt geändert von Wolfgang A.; 06.02.2024, 14:12.
    Lg, Wolfgang


    Für mich ist Dankbarkeit ein Weg,
    der sowohl für den Einzelnen
    wie für die Welt zukunftsweisend ist.
    (David Steindl-Rast)


  • #2
    Die letzten Minuten steige ich über die allmählich flacher werdende Kuppe weglos an und stehe bald bei dem großen Gipfelkreuz in 1523 Metern Höhe.
    Seit meinem Start in Frein heute der erste Ort, der mir bereits bekannt war!
    061-Gipfelkreuz-Ötscher.jpg

    Die Fernsicht ist heute nicht so gut wie bei meinen beiden letzten Besuchen im Winter, aber dafür lässt sich das Panorama bei angenehmen Temperaturen und - vor allem! - nur leichtem Wind viel bewusster genießen.
    Im Westen sind mit dem Hochschwab und dem Hochstadl (unmittelbar rechts vom Kreuz) zwei Gruppenhöchste zu sehen. Das Hochkar am Horizont, die Zellerhüte in ungewohnter Anordnung - fast hintereinander stehend! - sowie rechts wieder der Dürrenstein machen das Bild vollständig.
    063-Gipfelkreuz-PanoramaWest.jpg

    Das derzeitige Gipfelbuch wurde vor knapp zwei Jahren eröffnet und ist noch keineswegs vollgeschrieben. Aber im Sommerhalbjahr wird der Gipfel erstaunlich wenig besucht. Könnte ich sonst an einem Samstag mit Bedingungen wie heute vollkommen allein hier stehen? Im Winter wiederum tragen sich gewiss nicht alle vom Wind durchgebeutelten Tourengeher ein.
    Die Almhalter, die das Buch 2021 hinterlegt haben, verabschieden sich übrigens mit einem der aktuellsten Einträge und wünschen ihren Nachfolgern alles Gute. Schon in Kürze wird die Gipfelregion für etliche Wochen wieder vorrangig dem Weidevieh gehören.
    067-Gipfelbuch2021-Startseite.jpg

    Nochmals der schöne Ausblick nach Westen: Hochstadl und Fadenkamp, Hochkar, die Zellerhüte und der Dürrenstein hinter dem unteren Halltal, das Richtung Mariazell führt.
    071-BlickHochstadlZellerhüteDürrenstein.jpg

    Im Nordosten dominieren der Göller sowie der felsige Gippel zwischen seinen Nachbarn vom Schnalzstein bis zum Perschkogel.
    077-Göller-SchnalzsteinGippel.jpg

    Für manche zerstören die beiden Rundfunksender den Charakter der Gipfelkuppe weitestgehend. Ich finde den Anblick eigentlich nicht so schlimm.
    Zwischen den zwei Sendern der Hochschneeberg sowie Großer Sonnleitstein und Glatzeter Kogel.
    080-Sendeanlage-Schneeberg-GrSonnleitstein.jpg

    An stürmischen Wintertagen könnte die Aussicht gar nicht so toll sein, dass ich hier das Teleobjektiv anlegen würde. Umso mehr gilt es die so günstigen Bedingungen heute zu nützen.
    Der zentrale Hochschwab mit dem Ringkamp, dem Hauptgipfel unmittelbar rechts dahinter sowie dem Hochwart weiter rechts. In den Nordflanken reicht der Schnee noch relativ weit herunter - nicht so überraschend nach den ergiebigen Niederschlägen von Mitte März bis Anfang Mai!
    084-ZoomRingkampHochschwab-Hochwart.jpg

    Ein Stück weiter westlich im Hochschwab: Hinterer Polster und Ebenstein, Großer und Kleiner Griesstein. Davor das ausgedehnte Plateau der Zeller Staritzen noch mit ein paar Restschneeflecken und -wechten.
    085-ZoomZellerStaritzen-Ebenstein-GrGriesstein.jpg

    Gerade einmal etwa fünf Kilometer sind Terzer Göller und Göller, die großen Brüder im Nordosten, in der Luftlinie entfernt.
    Zwischen ihnen die Eisgrube, eine der südseitigen Standardabfahrten für Schitouren. Da geht es gehörig steil hinunter!
    088-ZoomTerzerGöller-Göller.jpg

    Auch die markanten Zacken des Großen Sonnleitsteins und des Glatzeten Kogels verdienen natürlich eine eigene Zoomaufnahme.
    Zwischen ihnen ergibt sich eine überraschende Sichtlinie genau zum Krummbachstein.
    090-ZoomGrSonnleitstein-GlatzeterKogel.jpg

    Erst zum Schluss meiner längeren Rast kommt eine ältere Frau von Osten zum Gipfel. Erstaunlich: Es ist seit meinem Aufbruch die erste Begegnung heute!
    Bald danach mache ich wieder auf den Weg und folge an den Sendern vorbei einer Felsrippe Richtung Osten. Hier zeigt sich stärker als im Westteil, wie verkarstet der Bergrücken ist: An etlichen Stellen treten die Felsen zutage.
    Im Hintergrund Schneeberg, Rax und Schneealpe sowie viele weitere Gipfel vor ihnen.
    097-Karstfelsen-SchneebergSchneealpe.jpg

    Noch wesentlich deutlicher zeigt sich das Karstplateau Richtung Norden. Es ist faszinierend für mich, diesen Anblick erstmal ohne Schnee zu erleben!
    101-Karstrippen-Göller.jpg

    Mit den Schneeschuhen bin ich meist quer über dieses Plateau gegangen. Heute folge ich dem südlich begrenzenden Felskamm und werde durch einen prachtvollen Tiefblick nach Frein belohnt, den ich so sicher noch nicht gesehen habe.
    107-TiefblickFrein.jpg

    Die Weitwinkelperspektive einige Minuten danach ist nicht weniger beeindruckend.
    Hinter dem oberen Mürztal wieder die Schneealpe mit all ihren Trabanten, diesmal bis zur Lachalpe ganz rechts.
    113-BlickFrein-SchneealpeLachalpe.jpg

    Richtung Nordosten ist das Gelände hingegen viel weitläufiger. Da erstreckt sich - vor dem Gippel - die Hochalm, über die meine weitere Route führen wird.
    Die schöne Aussicht und die vollkommene Windstille (auf die ich etwa hier gehofft habe) schaffen perfekte Rahmenbedingungen dafür, nun erst die kulinarische Pause einzulegen.
    111-Hochalm-KlGöller-Gippel.jpg
    Zuletzt geändert von Wolfgang A.; 01.06.2023, 09:25.
    Lg, Wolfgang


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    der sowohl für den Einzelnen
    wie für die Welt zukunftsweisend ist.
    (David Steindl-Rast)

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    • #3
      Und weiter geht's:
      Bald bereits wird die Hochalm für etliche Wochen vor allem das Revier der Rinder sein.
      115-Hochalm-Göller.jpg

      Dieses Motiv ist mir natürlich auch von all den Wintertouren hierher bekannt: die Ruinen eines alten Gebäudes auf der Hochalm vor dem Göller im Hintergrund.
      Ein interessantes Detail: Während die Wegspuren jetzt unmittelbar daran vorbeiführen, ist die (Schi- bzw. Schneeschuh-)Route im Winter bisher stets etwas weiter südlich verlaufen.
      119-HochalmRuine-Göller.jpg

      An Futter wie an Trinkwasser wird hier kein Mangel herrschen.
      121-HochalmLacken-Göller.jpg

      Nach dem kurzen Stück im Wald und dem Passieren der Drescherhütte führt die Route erneut auf weitläufige Lichtungen. Das Gittertor trennt hier wohl verschiedene Weideregionen voneinander: jene vom Gipfel bis zur Hochalm von jener weiter östlich bis zur Sulzrieglalm.
      124-Almwiese-GrSonnleitstein-Waxenegg.jpg

      Der Ostrücken der Wildalpe fasziniert auch im Winter durch etliche große, einzeln stehende Bäume. Wieder ist das Vergleichsbild Ende Mai für mich speziell interessant. Aber natürlich macht dieser Baum (ein Bergahorn?) sich auch ohne Schnee vor dem Göller sehr gut.
      126-lonelytree-Göller.jpg

      Nochmals eine größere Lacke, diesmal mit Gamsmauer und Perschkogel, Lahnberg und Mitterberg im Hintergrund.
      129-Lacke-PerschkogelLahnberg.jpg

      Diese Bergahorne, deren Anblick mir ebenfalls vertraut ist, stehen bereits etwas östlich vom Bärenkögerl.
      Die allmählich stärker geneigte und mehr nach links hängende Wiese lässt keinen Zweifel daran, dass es nicht mehr weit bis zu der Steilstufe hinunter zur Sulzrieglalm ist.
      131-Bergahorne.jpg

      Da sehe ich die Steilstufe bereits vor mir. Speziell bei Schneeschuhtouren auf die Wildalpe ist sie nicht ganz ohne: sehr anstrengend im Anstieg bei schwerem Schnee, hingegen eventuell heikel wegen des Haltfindens bei eher vereisten Bedingungen. Diese Schwierigkeiten warten heute aber sicher nicht auf mich...
      Die weitläufigen Weideflächen zwischen der Sulzrieglalm und der gleichnamigen Kuppe etwas weiter östlich sind bereits von zahlreichen Rindern bevölkert.
      136-Steilstufe-Sulzriegel.jpg

      Auf der Sulzrieglalm ist einiges los; möglicherweise beginnt die Sommersaison auf ihr ja genau heute!
      Im Hintergrund ein schöner Einblick in das Tal der Kalten Mürz. Sie bildet hier die Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark, sodass die Häuser von Neuwald nördlich des Flusses zur - ziemlich weit entfernten - Gemeinde St. Aegyd gehören.
      140-Sulzriegelalm-Neuwald.jpg

      Nun habe ich das Steilstück hinter mich gebracht und blicke fast in gleicher Höhe zur Sulzrieglalm hinüber. Ihre Lage auf einem weiten, sonnigen Plateau in gut 1150m Höhe ist ausgesprochen schön. Im Hintergrund der lange Kamm des Mitterbergs sowie einmal mehr Großer Sonnleitstein und Glatzeter Kogel.
      145-Sulzriegelalm-Mitterberg-GlatzeterKogel.jpg

      Die Rinder samt Nachwuchs liegen etwas seitlich vom Strässchen und lassen sich in keiner Weise aus der Ruhe bringen.
      146-Sulzriegelalm-Rinder.jpg

      Ich bleibe bis zum tiefsten Punkt auf der Almwiese und blicke von dort noch einmal zur Sulzrieglalm sowie dem Kleinen Göller links oben zurück.
      148-Sulzriegelalm-KleinerGöller.jpg

      Erfreulicherweise befindet sich dort ein Überstieg über den Holzzaun. Deutliche Wegspuren führen dahinter in wenigen Minuten zu einer Forststraße hinunter, der ich bis Frein folgen könnte. Ich kürze allerdings eine Kehre nochmals auf steilen Wegspuren im Wald ab.
      Schließlich liegt die kleine Ortschaft Frein wieder unmittelbar vor mir. Gerade 33 Einwohner leben (laut wikipedia) aktuell hier. Dafür ist die umgebende Berglandschaft besonders vielfältig und lohnend zu erkunden.
      150-Frein.jpg

      Der bekannte und zu Recht von vielen geschätzte Freinerhof ist mit Abstand das stattlichste Gebäude in der Ortschaft. Bei einem freien Tisch heraußen hätte ich mich wohl noch hingesetzt. Aber inzwischen haben sich natürlich zahlreiche Gäste eingefunden, darunter mehrere Familien, die vermutlich das gesamte Pfingstwochenende hier verbringen werden.
      152-Frein-Filialkirche.jpg

      So mache ich mich gleich auf die Heimfahrt, und ich trete sie sehr zufrieden und beschenkt von diesem Tag an.
      Zuletzt geändert von Wolfgang A.; 01.06.2023, 10:11.
      Lg, Wolfgang


      Für mich ist Dankbarkeit ein Weg,
      der sowohl für den Einzelnen
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      (David Steindl-Rast)

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      • #4
        Informationen zur Wanderung

        13,5 Kilometer Strecke,
        ziemlich genau 700 Höhenmeter.

        Unter Schitourengehern braucht die Wildalpe natürlich keine Empfehlung, und es scheint sich auch zunehmend herumgesprochen zu haben, dass sie ein lohnendes Schneeschuhziel ist.
        In der schneefreien Jahreszeit wird sie hingegen erstaunlich selten besucht und ist fast so etwas wie ein Geheimtipp.
        Ich sehe dafür zwei Hauptgründe:
        + fehlende Infrastruktur. Eine Einkehrmöglichkeit besteht nur während der Weidesaison in der Sulzrieglalm; im Gipfelbereich gibt es nicht einmal Gebäude zum Unterstellen. Und die gesamte Route über den Höhenrücken ist bei guter Sicht zwar nie wirklich zu verfehlen, aber sie ist nirgendwo markiert.
        + Weidegebiet im Sommer. In der warmen Jahreszeit gehören weite Teile des Kamms vor allem den Rindern. So ist die Wildalpe dann kein geeignetes Ziel für alle, die nicht gern Weidevieh begegnen oder sich in seiner Nähe nicht recht wohl fühlen.
        Alternativen dazu könnten Wanderungen im Mai oder Oktober bieten, zumal die Landschaft im Frühjahr wie im Herbst besonders reizvoll ist.

        Wer von Frein aus die Wildalpe überschreiten will, kommt um ein Stück im Tal des Freiner Bachs nicht herum. Dadurch, dass ich so früh als möglich in den Südhang der Wildalpe gewechselt habe, erschien mir dieser Abschnitt gar nicht eintönig. Die gesamte Strecke über den Kamm ist völlig unschwierig zu gehen, erfordert lediglich die grundlegende Fähigkeit, sich auch ohne Markierungen zu orientieren.

        Die Wiese oberhalb der ehemaligen Alm Am Gsenger, sämtliche Weiden im oberen Kammbereich wie auch die Sulzrieglalm sind landschaftlich durchwegs sehr schön. Die baumfreie Gipfelkuppe bietet ein 360-Grad-Panorama, das viele markante Gipfel und Gebirgsstöcke umfasst. Lediglich nach Nordosten ist die Sicht durch den deutlich höheren Göller eingeschränkt, der zum Ausgleich dafür aber über eine attraktive Südflanke verfügt.

        Bei guter Fernsicht hat die Überschreitung insgesamt den Charakter einer Panoramawanderung und lädt immer wieder zum Schauen, Betrachten und Fotografieren ein. Entscheidend dafür ist allerdings, auf die Wildalpe an einem Tag mit möglichst wenig Wind zu steigen, ansonsten würde es vor allem im Gipfelbereich schnell sehr ungemütlich. Auch viele Schitourengeher wissen davon ein Lied zu singen.

        Wer mag, hat nach der Wanderung mit dem Freinerhof noch die Möglichkeit, in einem vorzüglichen Gasthof einzukehren.
        (Achtung: Vor kurzem wurden die Öffnungstage geändert: Der Freinerhof ist aktuell - Ende Mai 2023 - von Dienstag bis Samstag offen, aber Sonntag und Montag geschlossen!)


        Persönliches Fazit

        Viele andere Gipfel fallen mir nicht ein, auf denen ich erst nach vier Besuchen im Winter erstmals in der schneefreien Zeit stand. So war es längst Zeit für diese Wanderung im Mai auf die Wildalpe, und ich habe sie - wie bisher eigentlich alle Berge um das Obere Mürztal - als sehr lohnendes Ziel erlebt.

        Meine Hoffnung war, an diesem Tag bei bestem Wetter etliche Stunden in einer schönen und zugleich ruhigen Berglandschaft unterwegs sein zu können. Aber meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, zwischen dem Tal des Freiner Bachs und der Sulzrieglalm nur einer einzigen weiteren Wanderin - auf dem Gipfel - zu begegnen.
        So wurde es für mich ein wunderbar ruhiger und erholsamer Tag in den Mürzsteger Alpen: gerade das richtige Maß an körperlicher Betätigung und viel Zeit zum Schauen und Genießen.

        Allen, denen so etwas ebenfalls gut tut, kann ich die Wildalpe als Ziel einer Wanderung sehr empfehlen - höchstwahrscheinlich auch im Oktober, definitiv aber in der zweiten Maihälfte.
        Zuletzt geändert von Wolfgang A.; 01.06.2023, 14:06.
        Lg, Wolfgang


        Für mich ist Dankbarkeit ein Weg,
        der sowohl für den Einzelnen
        wie für die Welt zukunftsweisend ist.
        (David Steindl-Rast)

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        • #5
          Danke für die schöne Beschreibung einer mir unbekannten Tour in meiner (erweiterten) Heimat. Mir gefallen immer wieder Deine genauen Beschreibungen der umliegenden Berge.
          Irgendwann muss un nun doch auch mal die Wildalpe angehen.

          Horst

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          • #6
            Hallo Wolfgang.
            Danke für den tollen Bericht .
            Ohne (Rest)Schnee kenne ich die Wildalpe noch nicht.
            Sind dir im Bereich der Forststraße zufällig Fahrverbotsschilder aufgefallen? Ich habe nämlich überlegt mal mit dem Radl dort eine runde zu drehen.

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            • #7
              Danke für die schönen Bilder, tolle Tour

              LG
              der 31.12.

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              • #8
                Zitat von DieIris Beitrag anzeigen
                Hallo Wolfgang.
                Danke für den tollen Bericht .
                Ohne (Rest)Schnee kenne ich die Wildalpe noch nicht.
                Sind dir im Bereich der Forststraße zufällig Fahrverbotsschilder aufgefallen? Ich habe nämlich überlegt mal mit dem Radl dort eine runde zu drehen.
                Hallo Iris,
                ich habe leider nicht bewusst auf mögliche Verbotsschilder für Fahrräder geachtet.

                Im Tal des Freiner Bachs zu Beginn hat mich ein Paar auf Fahrrädern überholt. Diese Route ist sicher erlaubt; sie wird hier z.B. als "BergRadlRunde über die Mürzsteger Almen" (bis zur Dürrieglalm) empfohlen.
                Vom Wegcharakter wäre die Auffahrt vom Freinsattel bis auf den Westrücken der Wildalpe sowie von Frein zur Sulzrieglalm bzw. zum Bärenkögerl problemlos möglich. Wie weit sie auch erwünscht oder erlaubt ist, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

                Genaueres solltest du sowohl beim "Naturpark Mürzer Oberland" als auch beim Freinerhof erfahren können.
                Lg, Wolfgang


                Für mich ist Dankbarkeit ein Weg,
                der sowohl für den Einzelnen
                wie für die Welt zukunftsweisend ist.
                (David Steindl-Rast)

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                • #9
                  Zitat von Wolfgang A. Beitrag anzeigen
                  Vom Lahnsattel oder Frein als Ausgangsorten kam ich dabei noch nie weiter nach Westen als bis genau zum Gipfelkreuz.
                  Da geht es mir genauso und dein schöner Bericht "spült" diese Überschreitung gedanklich wieder ganz nach oben.

                  Einen tollen Tag hast du erwischt, so wie du schreibst, die Wildalpe ohne Sturm ist eine Seltenheit.

                  Deine Bilder muss ich mir Nachmittags nochmals am größeren Bildschirm ansehen.

                  LG, Günter
                  Meine Touren in Europa

                  Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
                  (Marie von Ebner-Eschenbach)

                  Kommentar


                  • #10
                    Von rundherum habe ich schon auf die Wildalpe geblickt, jetzt wird es aber Zeit für eine Besteigung (Überschreitung).
                    Ein sehens- und lesenswerter Bericht Wolfgang! daumen hoch.jpg


                    L.G. Manfred

                    Kommentar


                    • #11
                      Grüß Dich!

                      Sehr interessante und schöne Wanderung mit für mich neuen Tiefblicken .
                      Bin eine ähnliche Strecke Ende März 2017 bei fester Schneelage und auch wunderschönem Wetter in umgekehrter Richtung gegangen.

                      LG
                      Erich


                      "Gesundheit ist des Menschen höchstes Gut"

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                      • #12
                        Tolles Wetter, ein lohnendes Tourenziel, trotzdem kein Trubel - was will man mehr. Danke für die schön aufbereitete Präsentation!

                        Ich sollte der Wildalpe auch wieder einmal einen Besuch abstatten. Bisher war ich zweimal oben, das erste Mal im Juni 2011 vom Lahnsattel aus und das zweite Mal im November 2012 auf derselben Route wie du. So schönes Wetter hatte ich allerdings dabei nie. Dafür wurde ich einmal von einer Kuh verfolgt...

                        DieIris : Meines Wissens besteht von Frein bis zur Höhenreithalm Fahrverbot, ob das aber auch für Fahrräder gilt weiß ich nicht. Ich bin die Strecke jedenfalls schon einmal bei einer bike&hike-Tour mit dem Rad gefahren und einmal verbotenerweise mit dem Auto, weil ich mir einen riesen Umweg ersparen wollte

                        Kommentar


                        • #13
                          Bei mapy.cz ist die Strecke Schöneben - Frein als Radstrecke eingezeichnet, nicht aber die Straße über den Freinsattel und auf die Wildalpe hinauf.
                          LG Rudolf
                          _________________________________________
                          Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit,
                          die wir nicht nutzen. (Seneca)

                          Kommentar


                          • #14
                            Servus Wolfgang,

                            grandiose Bilder, die Kontraste mit dem satten Grün sind eine Wucht, aber auch die Kalkrippen sehen interessant aus.

                            Lg, Felix
                            http://www.wetteran.de

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                            • #15
                              Die Wildalpe mal ganz ohne Wind, so kenne ich es noch nicht.
                              Lg. helmut55

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