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Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

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  • Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

    Lang ists her, dass ich einen Bericht geschrieben hab. Hat mehrere Gründe. Von den bekannteren Bergen gibt’s mittlerweile echt genug. zB war die letzte zweitägige Raxüberschreitung mit meiner Tochter wirklich ein Genuss. Ein Bericht davon? Naja... Und bei den unbekannten Ruachlereien hatte ich dieses Jahr immer fotofeindliches Wetter. Meßnerin-Nordanstieg? Berichtwürdig. War auch echt a Gaudi. Und schön. Sieht bei Schneesturm aber auch nicht anders aus als jeder beliebige Gupf.

    Trotzdem hat mich das schlechte Gewissen gepackt und ich schreib hier halt was. Dazu muss ich vorweg sagen, dass ich keine Ahnung hab, obs dazu schon (Sommer-)Berichte gibt. Wenn, dann sicher nicht viele. Zwecks eigenem Erlebnis hab ich außer dem Rabeder-Führer dazu keine Recherchen angestellt.

    Blablabla... die Bilder gehen eh schon bald los:

    Gestartet bin ich von der Tauplitz aus. Bin erst recht spät losgegangen, und beim letzten Versuch von Gößl aus bin ich aus irgendeinem Grund (deppat und stur aufgrund der Hitze damals) drei Stunden im Sulzenofen herumgekraxelt. Leicht gebrandmarkt. Also diesmal anderer Startplatz. Und das Handicap wurde mittels der Mautstraße auch angepasst.
    Die Crux der zwei Tage besteht darin, sich in der ersten Stunde auf der Tauplitz vor lauter „Zeas“, „griaßdi“ und „da kommen ja no mehr“ nicht gleich zu dehydrieren. Dabei is Montag. Furchtbar. Nach der ersten Stunde is aber aus. Sobald man den Steirersee sieht, biegt man auch schon bald Richtung Tragl ab.

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    Rückblick zum Grimming.

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    Das Gelände ändert sich schnell in klassisches Tote-Gebirge-monochrom und die Leute ändern sich von viel zu viel auf 4, die aber alle nur zum Tragl gehen. Trotz des moderaten Anstiegs bin ich glücklich, nicht das lange Tele mitgenommen zu haben. Und dafür die leichteren Schuh. (O-Ton Tauplitzwanderin: Schau, Herbert, wos der Bua für Schuach anhat! Glaubst des?)

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    Rückblick zum Tragl

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    Und ab jetzt siehts so aus. Farblich wird man sowas eher selten in einem Kindermalbuch finden, und wenn, dann ists bedenklich. Wasser gibt’s hier kaum, dafür hab ich halt mehr mitgenommen. Zum gehen aber herrlich. Je nach Herangehensweise gibt’s keine logische Wegführung oder tausend verschiedene. Der Rabeder meint, man kann sich an die Wintermarkierungen halten. Könnte man wohl wirklich. Macht aber sicher weniger Spaß.

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  • #2
    AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

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    Die Weisse Wand sieht man schon von weitem, samt ihren Schwestern Hochweiß und Plankamira. Besser gesagt, so weit ist man ihr auf dem Weg sowieso nie. Zumindest Luftlinie. Aufgrund des ständigen auf und ab und rechts und links und hupfen und kraxln dauerts aber ein Weilchen. Das Gelände ladet halt einfach ein, nicht den schnellsten sondern den interessantesten Weg zu wählen.
    Hier gehe ich zum Beispiel die bildmittige Schräge nach rechts oben. Schottrig und nett, weil nicht allzu steil. Langweilig. Hinter der von links oben kommenden Kante scheints ähnlich weiter zu gehen, ich bieg aber links Richtung Plankamira ab und finde eine herrliche Wasserrillenplatte (das ist ungefähr so wahrscheinlich wie, dass man im Wienerwald Bäume findet). Die gehört bis zum Ende ausgekostet. Dann sperrt ein 3m-Wandl den Weiterweg. Aber kraxelbar, also hopp. Dann über einen Klemmblock, der mich wie eine Brücke über einen tiefen Dolinenriss führt, dann wieder normales Gehgelände... und dabei hat man immer eine schwierigere und eine leichtere Alternative in Aussicht. Alpines Gelände für nervlich zart besaitete, quasi.

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    Irgendwann steh ich auf einmal in der Rickmersscharte, die die Plankamira von der Weissen Wand trennt. Ein Steinmandl, das erste bisher.

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    Und das ist sie...

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    Das gibt’s morgen...

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    Rauf geht’s wie überall hier... nämlich wie man will. Die Direkte auf die Ostwand scheint problemlos möglich, ich wähle aber ein breites Grasband in der Südflanke, die direkt in den Sattel zwischen den beiden Gipfeln führt. Dürfte der Normalweg sein.

    Blick zum Ostgipfel.

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    • #3
      AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

      Alte Bekannte und offene Rechnungen...

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      Grundlsee

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      Sogar ein Biwakplatzerl war hergerichtet. Laut Gipfelbuch verirren sich doch tatsächlich monatlich ein paar Leute hierher, sogar im Sommer! Trotzdem ists aus 1974 und noch lange nicht vollgeschrieben. Ich schau noch den Gamserln beim abendlichen Rumhupfen zu und ärger mich, dass ich das Tele nicht mitgenommen hab.

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      Den Sonnenaufgang verschlaf ich komplett. Erst um halb acht reißts mich... Die Nacht war doch ein wenig schattig und ich klaub erstmal das Eis und den Reif von meinem Hotelzimmer. Kurzer Blick nochmal zum See, ein schnelles Gipfelfoto und zurück aufs Grasband.

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      • #4
        AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

        Bald bin ich im Zwisch (beschreibt die Lokalität tatsächlich korrekt). Rückblick zur Weissen Wand

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        Weiter geht’s erstmal Richtung Sidelkogeln

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        Aber nicht auf diese und auch nicht rechts vorbei, wie mir Steinmandl einreden wollen. Sondern weiter nach Südsüdosten. Ich will schauen, ob die in der Karte erkennbare Rinne etwas gangbares darstellt. Weg ist darin in keiner Karte, die ich hab, eingezeichnet. Hinter dem Sattel zwischen Sidelkogeln und Plankamira findet sich dieser schöne Kessel.

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        Ich peile die Öffnung etwas rechts der Bildmitte an. Der Weg scheint einfach, wird aber immer wieder von tiefen Schächten unterbrochen. Ich hoffe, dass mein eingeschlagener Weg nicht irgendwann in einem 5m-Abbruch endet. Das ganze nochmal zurückgehen, um Richtung Gößl abzusteigen, mag ich wirklich net. Auch wenn Zeit und Wasser genug wären...
        Der Abstieg wird zunehmends aber unübersichtlicher. Bald komme ich zur Erkenntnis, dass ich nicht im Begriff bin, in diesen Graben abzusteigen, sondern auf deren östlichen Begrenzungswand entlangspazier. Viele Schwachstellen bietet sie zum Abstieg nicht. Ich hab mich für folgende entschieden:

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        200m weiter hätts dann auch was einfacheres gegeben... war von oben halt nicht einsehbar. Aber soll ja auch Spaß machen.
        Weiter geht’s eindeutig. Erinnert mich fast schon an die versteckteren Rax- und Schneeberggräben.

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        Danach gibt’s eine knappe Stunde Herumeiern im mixed-Gelände. Karst/Latschen. Für einen Beobachter, der das Geschehen aus der Vogelperspektive verfolgen darf, sicher extrem amüsant. Wird dafür abgelöst vom nächsten mixed-Gelände. Fels/Wald. Loser Wald mit Felseinlagen. Sogar dort und da Wasserrillenplatten. Und Rehe.. tja das Tele, beim nächsten Mal...

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        Weiter geht’s einem bald gefundenen Halterwegerl entlang runter zur Ödernalm.

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        Und dann zur Selbstgeißelung (zum Glück ist nicht das Tele auch noch im Rucksack...) gleich wieder bergan auf die Tauplitz, bald schon schau ich von der anderen Seite runter.

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        Von der Tauplitz hab ich dann wieder keine Fotos. Wer dennoch wissen will, wie es dort war, kann samstags in ein x-beliebiges Berggwandgschäft gehen. Musikalisch hat die Tauplitz auch einiges zu Bieten, der eine oder andere Rucksack der mir entgegenkommt dürfte zu Trainingszwecken mit extra Lautsprechern bepackt worden sein. Mein Anblick (mit fettem Rucksack, gut gefüllt) führt ein wenig zu irritierten Blicken... egal, ich schleich mich und packe am Parkplatz noch meine letzten knapp 2 Liter Wasser, die ich zu Trainingszwecken eingepackt hab aus.

        Herrlich wars wieder einmal imToten.

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        • #5
          AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

          Geil Geil Geil.. Großes Cinemascope..
          und HÖ ! ist das ein rucksack von solognac ? oder in realtree ?
          Zuletzt geändert von Fleisch; 30.09.2016, 15:56.

          but i see direct lines

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          • #6
            AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

            Super Bericht mit recht ansprechendem humorigem Text!
            Auf der Weißen Wand & Co war ich schon ein paar Mal mit den Schiern, immer vom Öderntal aus. Im Sommer konnte ich mich noch nicht ganz aufraffen, deine Aufnahmen machen aber jedenfalls Lust darauf!
            Danke für's Teilen!
            http://brothersberge.blogspot.co.at

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            • #7
              AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

              Dankeschön!

              @Fleisch: ja, das ist der 45-90 Rucksack von Solognac. Hab mich nach deinem Tipp ordentlich mit deren Graffl eingedeckt und kann bisher nix schlechtes drüber sagen. Bis auf Kleinigkeiten echt tadellos. Und preislich ca. ein Drittel von dem Markenklumpert im Laden.

              Der 45-90 ist echt toll... ("ideal für den Transport von Wild bis zu 60kg)... zwar geringfügig schwerer und nicht ganz so passgenau wie mein deuter 35+10, dafür ein Frontreißverschluss zum komplett aufreißen. Gewehrhalterung zum ausklappen (entbehrlich). Zusätzlich extra dazu ein 80 oder 100 Liter fassender blutdichter Sack. Wer weiß wozu man den noch gebrauchen kann...

              @Brothers:
              Danke! Wo bist du da normalerweise rauf? Übers Plankeraueck oder von der Ödernalm weg?

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              • #8
                AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

                Grandios...Pics, Text, alles...wusste gar nicht dass die Weisse Wand und Umgebung so viel nackten Fels offenbart, war noch nie dort, muss ich nachmachen! thx
                http://www.flickr.com/photos/blackframe_foto/

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                • #9
                  AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

                  Zitat von urbazi Beitrag anzeigen
                  @Brothers:
                  Danke! Wo bist du da normalerweise rauf? Übers Plankeraueck oder von der Ödernalm weg?
                  Über Ödernalm und Kitzloch, am Plateau dann über mehrere Varianten.
                  http://brothersberge.blogspot.co.at

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                  • #10
                    AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

                    soviel Felsen auf weiter Flur, auch wenn die Landschaft manchmal wirklich tot wirkt, so schaut es spannend aus. In so einem Gelände bin ich kaum, daher find ich so Bilder von dort für mich sehr abwechslungsreich. Schön wenn man dann wieder gut an den Start zurückkommt.

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                    • #11
                      AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

                      Mal was neues, super!
                      Lg. helmut55

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                      • #12
                        AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

                        Schöner Bericht, kurzweilig geschrieben!

                        Ich kenne die Gegend nur im Winterkleid:
                        http://www.gipfeltreffen.at/showthre...irge-21-3-2015
                        Scheint mir, als wären wir da eine ganz ähnliche Runde gegangen.

                        LG Hans
                        Nach uns die Sintflut.

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                        • #13
                          AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

                          Ein überaus fetzig geschriebener Bericht. War super zum Lesen.
                          Bin auch immer gern im Toten Gebirge.
                          lg, Manfred (manfredsberge.blogspot.com)

                          Meine Tourenberichte auf gipfeltreffen

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                          • #14
                            AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

                            Lässiger Karst-Ruachler & ein toller Bericht, - Danke!

                            LG
                            Reinhard
                            ALPINJUNKIE ON TOUR
                            Wenn du dich auf den Weg machst, öffnet der Horizont seine Grenzen.


                            Hohe Mauer/Windhagkogel - 20.10.18
                            Arikogel - 21.10.17 & 08.10.2018

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                            • #15
                              AW: Weisse Wand, Totes Gebirge, 26. - 27.9.16

                              Geniale Sache. Und da gehört jede Menge Sicherheit und Erfahrung dazu, sich in so einem Gelände so locker zu bewegen.

                              LG, Günter
                              Meine Touren in Europa

                              Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
                              (Marie von Ebner-Eschenbach)

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