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Auf der Suche nach dem alten Kaisersteig (Klobental - Kesselboden, Rax), 2.7.2024

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  • Auf der Suche nach dem alten Kaisersteig (Klobental - Kesselboden, Rax), 2.7.2024

    Der Kaisersteig, den Benesch in seinem Raxführer beschreibt, führte durch das Kleine Höllental ins Klobental (Kleiner Kesselgraben) und von dort zur Jagdhütte am Unteren Kesselboden hinauf.

    K_Benesch.jpg


    In der Freytag-Karte von 1914 ist er eingezeichnet:

    K_Freytag_1914_Benesch.jpg


    1930 war die Jagdhütte bereits verfallen und vom Weg nur mehr der untere Teil unterbrochen eingezeichnet:

    K_BEV_1930.jpg


    Heute hat die Scheibwald-Forststraße den unteren Teil längst ersetzt, den Kesselboden durchzieht ein Netz von Straßen. Im Klobental aber (ich verwende diese Bezeichnung analog Benesch für den Kleinen Kesselgraben) existiert bekanntlich noch ein Weg, dessen erste 500m ab Straßenkehre ein Rest vom alten Kaisersteig sein dürften (zumindest Norbert kennt ihn auch). Während dieser Weg weiter Richtung Talschluss führt, stieg der Kaisersteig steil den Hang zum Kesselboden hinauf. Wo genau er das Plateau erreichte, geht aus Benesch’s Beschreibung nicht hervor. Eigentlich gibt es nur zwei Stellen, wo man leicht durch die Randfelsen kommen könnte:

    K_Mapy - Kopie.jpg


    Für die südliche spricht die Anstiegsrichtung des Zustiegs (SW) sowie oben die Richtung „NW“ zur Jagdhütte laut Benesch.
    Für die nördliche spricht das weniger steile Gelände, die Lage laut 1914er-Karte, der mehr oder weniger horizontale obere Rand der Felsen und Benesch’s Beschreibung für den Abstieg.

    Ich hatte keine bestimmte Präferenz, sondern wollte einfach einmal aufsteigen und nach Spuren Ausschau halten. Schlussendlich bin ich dann so gegangen (rot punktiert):


    K_BEV_neu.jpg

  • #2
    Ich gehe also wieder einmal die Straße durchs Kleine Höllental hinauf. Nach dem heißen Wochenende hat es heute angenehme 18 Grad. Nach einer Stunde wird der Blick ins Klobental frei. In Bildmitte zieht der Wald zum Kesselboden hinauf. Ganz hinten sieht man die „vielleicht unersteigbare Klamm“ laut Benesch (Beschreibung des Weges „Durch das Klobental“); die will ich mir später von oben noch anschauen.

    001.jpg


    Nach der Mini-Klamm, die der Weg am Beginn umgeht, steigt die Talsohle weiter sanft an.

    002.jpg


    Der Kaisersteig jedoch führt in der rechten Flanke, hier wirklich breit und deutlich, bergan (bereits Benesch schreibt „wo er das Klobental durchquert, da zeigt er eine halbwegs deutliche Spur, indem er dort vom Jagdpersonal benützt wird“).

    003.jpg


    Auf ca. 1100m, bei der letzten Linkskehre, von wo der Weg nur mehr gerade Richtung Talschluss weiterführt, verlasse ich den Weg und steige im Wald an. Hin und wieder stoße ich auf Steigspuren, die sich aber bald wieder verlieren.

    004.jpg


    Das Gelände ist ziemlich steil und mit immer mehr Totholz garniert. Falls es hier einmal einen Weg gab, ist davon naturgemäß nichts mehr übrig.

    005.jpg


    Ich nähere mich den Randfelsen, man merkt es am Untergrund: das ist eine überwachsene Schutthalde. Was die großen roten Markierungen am Baum bedeuten, weiß ich nicht. Auf jeden Fall muss ich jetzt bald entweder nach links oder nach rechts.

    006.jpg


    Von hier hat man, mit Benesch übereinstimmend, einen Überblick über das Klobental.

    007.jpg


    Rechts reichen die Felsen tiefer herunter. Da entdecke ich eine querende Spur. Ich beschließe, sie einmal nach rechts zu verfolgen. Leicht fallend führt sie an den Fuß der Felsen.

    008.jpg


    Danach steigt sie wieder an.

    009.jpg


    Vor dieser kleinen Schulter führt eine seichte Rinne links hinauf. Vermutlich geht es dort weiter. Ich steige aber noch schnell auf die Schulter um zu sehen, was dahinter ist.

    010.jpg


    Da bricht es steil in eine Schlucht ab.

    011.jpg


    Also die Rinne hinauf.

    012.jpg


    Die Steigspur setzt sich fort und quert nun die Nachbarrinne, die weiter unten in die Schlucht abbricht.

    013.jpg


    Rückblick

    014.jpg


    Nach kurzem Anstieg leitet die Spur nun links aufwärts. Der Ausstieg ist nahe.

    015.jpg

    Kommentar


    • #3
      War das jetzt der Kaisersteig? Immerhin hat er „den Randfelsen geschickt ausweichend auf das Plateau“ geführt. Natürlich könnte er das auch anderswo, und dieser Weg könnte genauso ein x-beliebiger Jagdsteig sein. Jedenfalls geht er noch am Plateaurand ein Stück weiter.

      016.jpg


      Dann erreicht er einen Graben, der steil zum Klobental abstürzt.

      017.jpg


      So sieht es hinauf zu aus:

      018.jpg


      Hier hört nun wirklich jede Wegspur auf, und jenseits des Grabens steigt der Hang steil an.

      019.jpg


      Meint Benesch das mit „Fuß des hier steil absetzenden, höheren Berghanges“? Leicht möglich. Zur ehemaligen Jagdhütte müsste man nach Benesch jetzt daran entlang immer rechts Richtung NW (eher WNW) gehen.

      Ich will aber zuerst zur Gloggnitzer Hütte, auf einem Weg, den ich auch noch nicht kenne. Dazu muss ich vorerst weglos in südlicher Richtung zur Forststraße ansteigen. Da oben ist sie schon zu ahnen.


      020.jpg


      Die Bäume hier schauen nicht gesund aus. War das der Borkenkäfer? Das Klosterwappen steckt den ganzen Tag in einer Wolkenhaube.

      021.jpg


      Forststraße erreicht.

      022.jpg


      Ich gehe auf ihr bis an ihr Ende und suche einen weiterführenden Weg. Der Verbindungsweg von der ehem. Jagdhütte zur „Sennhütte“ (Gloggnitzer Hütte) verläuft ja ein Stück weiter oben, auf den will ich stoßen. Wie erwartet gibt es eine Spur hinauf, das dürfte jetzt der begangene Weg sein, seit es die Forststraße gibt. Sehr schön führt er höher und nähert sich bald dem Rand der „unersteigbaren Klamm“.

      023.jpg


      Diese läuft oben in einen flachen Wiesengraben aus, den der Weg das letzte Stück bis zur Wiese der Gloggnitzer Hütte benützt. Vorher mache ich aber einen Abstecher zum oberen Ende der Klamm. Dazu muss ich nur ein paar Meter absteigen.

      024.jpg


      Dann sehe ich hinunter. Sie beginnt gleich mit einem senkrechten, 10-15m hohen Abbruch. Auf dem Foto kommt das nicht gut zur Geltung, aber das Gras am unteren Bildrand bildet die Abbruchkante; dahinter geht’s gleich hinunter. Da es leicht abschüssig ist und ich nicht ausrutschen will, gehe ich nicht ganz bis vor; mir reicht das was ich sehe. Das wird wohl nix mit meinem vagen Plan, mich dort einmal abzuseilen. Dazu müsste der Abbruch geneigt und gestuft sein, um einen Rückzug zu ermöglichen…

      025.jpg


      Nach einer Woche wieder bei der Gloggnitzer Hütte. Herrlich frische 12 Grad hat es hier.

      026.jpg

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      • #4
        Am Rückweg will ich mir noch den Platz der ehemaligen Jagdhütte anschauen. Ich gehe über den Oberen Kesselboden, am Edelweißkogel vorbei, den schönen breiten Weg hinunter; aber nicht bis zur Straße, sondern zweige vorher rechts ab und weglos direkt zur Wiese. Da unten ist sie schon.

        027.jpg


        Natürlich ist von der Hütte nichts mehr zu sehen, es gibt sie ja schon 100 Jahre nicht mehr. Das scheinen Reste eines Hochstandes zu sein.

        028.jpg


        Meinen ursprünglichen Plan, den Kaisersteig (oder zumindest das, was ich dafür hielt), wieder abzusteigen und dabei vielleicht im Steilwald eine bessere Spur zu finden, verwerfe ich und gehe halt die Straße hinunter. Erstens spüre ich schon ein wenig die Knie und zweitens schaut es so aus, als könnte es jederzeit regnen. Aber auch die Forststraße hat interessante Stellen.

        029.jpg


        Wenn sie sich nur nicht so ziehen würde… Im Hintergrund sieht man den Kloben Nordsporn. Über den bin ich vor 10 Jahren aufgestiegen.

        030.jpg


        Hinter mir ballen sich graue Wolken zusammen, aber es bleibt bis unten trocken.

        031.jpg


        Fazit:
        Kaisersteig ja oder nein – das ist die Frage. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen. Um das herauszufinden, müsste man dort noch andere Durchstiegsmöglichkeiten versuchen, aber ob ich mir das antun soll, weiß ich nicht

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        • #5
          Gratuliere zur Forschungsrunde!
          Zwischen Gr.Kesselgraben und Rudolfsteig ist für mich noch ein weißer Fleck auf der Landkarte …

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          • #6
            Tolle Expedition, gratuliere

            LG
            der 31.12.

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            • #7
              Sehr viel Aufwand die Vorbereitung wahrscheinlich, aber hat sich ausgezahlt. Schön!

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              • #8
                Sehr spannend! Danke für die tolle Aufbereitung.
                Ist eine Gegend in der es echt immer wieder einiges zu erkunden gibt.

                LG. Martin
                Alle meine Beiträge im Tourenforum

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                • #9
                  Es ist so schade, dass alte Wege heute tlw. komplett verfallen und nicht mehr erkennbar oder auffindbar sind und auch das Wissen über den genauen ursprünglichen Wegverlauf verloren gegangen ist. Finde ich immer sehr schön, wenn Leute da diesen Forscherdrang haben. Super Unternehmung und auch sehr gut aufbereitet!

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                  • #10
                    Danke euch!

                    Ja, solche alte, vergessene Wege aufzuspüren und ev. zu revitalisieren macht mir viel Spaß, auch wenn es manchmal mühsam ist. Umso größer ist die Freude, wenn man fündig wird.

                    Demnächst werde ich mich wieder einem alten Projekt widmen, das ich etwas aus den Augen verloren habe - allerdings mit minimalem Aufwand. Zu Ende bringen werde ich das sicher nicht mehr. Andreas weiß wovon ich rede

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                    • #11
                      Zitat von maxrax Beitrag anzeigen
                      Danke euch!

                      Demnächst werde ich mich wieder einem alten Projekt widmen, das ich etwas aus den Augen verloren habe - allerdings mit minimalem Aufwand. Zu Ende bringen werde ich das sicher nicht mehr. Andreas weiß wovon ich rede
                      An das hab ich vor ein paar Wochen auch wieder gedacht als ich bei meinem Ausgangspunkt dorthin allerdings glaub ich ein Parkverbot sah, oder nur für Busse zum halten. Vielleicht ist das eh nimmer aktuell und wieder begehbar hinauf. Eine Akkusäge wäre ja nicht schlecht.

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                      • #12
                        Zitat von bluehouse3843 Beitrag anzeigen

                        An das hab ich vor ein paar Wochen auch wieder gedacht als ich bei meinem Ausgangspunkt dorthin allerdings glaub ich ein Parkverbot sah, oder nur für Busse zum halten. Vielleicht ist das eh nimmer aktuell und wieder begehbar hinauf. Eine Akkusäge wäre ja nicht schlecht.
                        Parkverbot gibt’s jetzt leider beim Kesselgraben. Beim Rudolfsteig bzw. bei allen anderen Parkmöglichkeiten im Höllental nur von 22h-5h.

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                        • #13
                          Eine spannende Sache.

                          LG, Günter
                          Meine Touren in Europa

                          Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
                          (Marie von Ebner-Eschenbach)

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                          • #14
                            Zitat von mountainrabbit Beitrag anzeigen
                            Eine spannende Sache.
                            Fand ich auch, obwohl das unbekannte Wegstück relativ kurz war.

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