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Genusswandern um Sieggraben im Burgenland / 23.11.2024

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  • Genusswandern um Sieggraben im Burgenland / 23.11.2024

    Die kurzen Tage, einige kalte Nächte und die ersten Zentimeter Neuschnee haben zuletzt unmissverständlich angezeigt, dass sich der Herbst 2024 dem Ende zuneigt. Touren zu höher gelegenen Zielen sind nun kaum mehr möglich, da die Zeit für sie oft nicht reichen würde und die Bedingungen doch heikler oder zumindest schwerer abzuschätzen sind. Für Schneeschuhwanderungen ist es noch zu wenig winterlich. Aber diese Übergangsjahreszeit hat doch ihre ganz eigenen Reize, und es gibt Ziele sowie Regionen, die sich genau dann besonders anbieten.

    Samstag, der 23. November versprach im Osten Österreichs nach dem raschen Abzug einer Wolkenstaffel ein sehr sonniger Tag zu werden, wenn auch zu Beginn noch mit kräftigem Wind. Nach der Arbeitswoche davor kann ich ein paar Stunden Bewegung im Freien ohnehin gut brauchen, und so entscheide ich mich für Sieggraben im Burgenland als Ziel, das von Wien aus in einer knappen Stunde erreichbar ist. Den gleichnamigen Sattel kannte ich davor nur von der Durchfahrt auf der Burgenland-Schnellstraße, beispielsweise zum Pauliberg oder ins Günser Gebirge. Auf Erhebungen im Umfeld der Gemeinde war ich bereits, aber jeweils im Frühjahr und doch schon vor einiger Zeit: 2014 auf dem Sieggrabener Kogel im Westen, 2018 auf dem Herrentisch an der Grenze zu Ungarn im Osten. Da bleibt somit noch genug Neues zu erkunden.

    Das Zentrum von Sieggraben erstreckt sich - dem Namen entsprechend - in einem Graben südlich des Sattels entlang der Hauptstraße. Ich parke beim Friedhof, aber auch entlang der Straße böten sich ausreichend freie Plätze. Am Anstieg über den Riegel, einen Richtung Nordwesten führenden besiedelten Höhenrücken, bietet sich bald ein erster Überblick der Landschaft: links der Sieggrabener Sattel, rechts hinunter die Gemeinde und dahinter der Brenntenriegel (606m) mit der 40 Meter hohen Sendeanlage.
    004-Sieggraben-Brenntenriegel.jpg


    Richtung Südosten prägt sich der namensgebende Graben deutlicher aus. Dort stehen entlang der Hauptstraße u.a. das Gemeindeamt und die schlichte spätbarocke Pfarrkirche von Sieggraben.
    Neuere Ortsteile erstrecken sich auf beiden Seiten die Hänge hinauf.
    006-Sieggraben.jpg

    Ich unterquere die Burgenland-Schnellstraße, die hier deutlich über der Gemeinde am Hang verläuft, und erreiche bald danach diese Schautafel. Der Sieggrabener Kogel befindet sich nach wie vor abseits aller markierten Wege, aber in den vergangenen Jahren wurde der von Südosten auf ihn führende "Kogelweg" ausgeschildert, von dem ich im WWW gelesen hatte.
    010-SieggrabenerKogelweg-Schautafel.jpg

    Die unteren Hänge des Sieggrabener Kogels sind vor allem von Wiesen und Feldern geprägt, zwischen denen Hecken, Obstbäume und einige größere Baumgruppen stehen.
    Ein sehr ansprechendes Bild, zumal das Wetter sich genau an die Prognosen hält: Der Himmel ist tiefblau und die Temperaturen sind leicht im Plus. Die ein bis zwei Zentimeter Schnee, die am Vortag - von Süden kommend! - hier gefallen sind, machen den Anblick noch hübscher.
    013-SieggrabenerKogel-Baumgruppe.jpg

    Die ausgeprägte Farbenpracht des Laubs auf manchen Bäumen erinnert zugleich daran, dass der Herbst eben erst zu Ende geht.
    018-Laubfärbung.jpg

    Während des sanften Anstiegs weitet sich der Rundblick stetig: Richtung Norden reicht er mittlerweile bis zum Leithagebirge mit der Landeshauptstadt Eisenstadt rechts an seinen Ausläufern. Die Luft ist, sicher auch dank des Windes, gestochen klar. Man könnte glauben, den Höhenrücken in etwa 30 Kilometern Entfernung bald zu erreichen.
    022-BlickEisenstadtLeithagebirge.jpg

    Auf den letzten 50 Höhenmetern zweigt der "Kogelweg" dann von dem Sandsträsschen ab und führt meist über Lichtungen auf die Kuppe hinauf. Markierungen sind nicht nötig: Entlang des Weges finden sich mehrere Rastgelegenheiten, und stets sieht man bereits bis zum nächten Aussichtsplatz oder zu einer (botanischen) Schautafel.
    Ein hübscher und sehr wohltuender Anblick! Zugleich versuche ich mir in der Fantasie ein wenig vorzustellen, wie ansprechend es hier erst im Frühjahr sein müsste.
    025-Rastplatz-Baumgruppe.jpg

    Beim nächsten Aussichtsplatz lohnt sich heute unbedingt ein etwas längerer Halt. Aus gut 600m Höhe geht der Blick Richtung Südosten dank der tollen Fernsicht mittlerweile nämlich nicht nur über den Hauptkamm des Ödenburger Gebirges, sondern auch die komplette Kleine Ungarische Tiefebene drüber. Der behäbige Kab-Hegy (599m) im Bakonywald - links der Bildmitte - ist fast 120km entfernt; ziemlich knapp dahinter befindet sich bereits der Plattensee. Auffälliger noch der Somló (431m) weiter rechts: ein Inselberg vulkanischen Ursprungs mit einer bewaldeten Kuppe und Weinbergen an seinen steilen Hängen. Dass die Sicht heute selbst im Flachland so weit reicht, ist speziell für das Winterhalbjahr außergewöhnlich und ein wirklicher Glücksfall!
    028-ZoomBakonywaldSomlo.jpg

    Noch umfassender ist das Panorama Richtung Nordosten über die Ausläufer des Ödenburger Gebirges ins Nordburgenland und zum Leithagebirge.
    030-BlickEisenstadtNordburgenland.jpg

    Ein kleiner Ausschnitt der letzten Aufnahme zeigt, dass der Blick über das Leithagebirge und die Gemeinden an seinem Fuß bis zum Höhenzug der Kleinen Karpaten in der Slowakei reicht, der am Horizont noch deutlich zu sehen ist. Im linken Bilddrittel die markante Vysoká (754m), der zweithöchste Gipfel der Kleinen Karpaten, in gut 105km Distanz.
    030A-BlickNordburgenland-KlKarpaten.jpg

    Auf den letzten Metern führt der Weg dann durch lockeren Mischwald auf die Kuppe des Sieggrabener Kogels in genau 650m Höhe hinauf.
    031-SieggrabenerKogel.jpg

    So sieht die "Infrastruktur" auf dem Gipfel aus: der Vermessungsstein, eine Schautafel des Kogelwegs und einige abgesägte Baumstämme als Sitzgelegenheiten.
    034-SieggrabenerKogel-Gipfel.jpg
    Zuletzt geändert von Wolfgang A.; 27.11.2024, 23:16.
    Lg, Wolfgang


    Für mich ist Dankbarkeit ein Weg,
    der sowohl für den Einzelnen
    wie für die Welt zukunftsweisend ist.
    (David Steindl-Rast)


  • #2
    Für eine längere Rast bin ich bisher noch nicht weit genug gegangen. So verlasse ich den unmittelbaren Gipfelbereich, der keine Ausblicke bietet, bald wieder. Die oberste Kuppe ist rundherum von Lichtungen umgeben, und daher lohnt sich der kurze (weglose) Abstieg Richtung Westen.
    Da kommt zunächst der lange bewaldete Höhenrücken des Rosaliengebirges ins Blickfeld. Links der Heuberg (748m) als höchster Gipfel; der ORF-Sender ist in der Verkleinerung nicht mehr zu erkennen.
    036-Rosaliengebirge.jpg

    Noch viel lohnender ist es an einem Tag mit so klarer Luft natürlich, einen Platz mit freier Sicht Richtung Westen bis Westnordwesten aufzusuchen. Da kommen - hinter einigen Kuppen der nordöstlichen Buckligen Welt - nämlich Raxalpe und Schneeberg ins Blickfeld.
    038-RaxSchneeberg.jpg

    Da ist nun zwingend der Einsatz des Teleobjektivs gefragt.
    Der westliche Teil der Rax, u.a. mit Heukuppe, Predigtstuhl und Dreimarkstein. Die Distanz zur Heukuppe beträgt knapp über 50 Kilometer. Umso faszinierender, dass im Zoom sogar die Kehren des Schlangenwegs und teilweise der Verlauf des Göbl-Kühn-Steigs zu erkennen sind!
    039-ZoomRaxalpe.jpg

    Ebenso beeindruckend der Detailblick zum Hochschneeberg: links das Alpl nahe dem Krummbachstein, dann der Waxriegel sowie der Kaiserstein (noch) in Wolken. So sehr der Anblick gefällt: Die Bedingungen auf dem Schneebergplateau waren an diesem Tag bei Sturm zumindest bis Mittag wenig einladend.
    040A-ZoomSchneeberg.jpg

    Auf weiteren Lichtungen kann ich die Gipfelkuppe nördlich umrunden und gelange so zurück zum Kogelweg, auf dem ich bis zum kleinen Parkplatz mit der Schautafel wieder absteige.
    Ab der Burgenland-Schnellstraße wende ich mich dann aber direkt dem Sieggrabener Sattel zu. Die Landschaft mit ihren kräftigen Farben weiß auch hier zu gefallen. Und wie zu erwarten war: Dem Sonnenlicht kann die dünne Schneedecke nun in der Mittagszeit nicht lang standhalten; nur mehr im Schatten hält sie sich weiter.
    044-ÖstlichesRosaliengebirge.jpg

    Rückblick an der hier deutlich über dem Graben verlaufenden Burgenland-Schnellstraße vorbei zum Sieggrabener Kogel. In dieser Perspektive wirkt der Gipfel vom Verkehrsweg fast etwas bedrängt; tatsächlich beträgt die Distanz dazwischen doch fast einen Kilometer. Der Interessensausgleich zwischen moderner Infrastruktur wie Verkehrwegen und Naturschutz (hier konkret dem "Naturpark Rosalia-Kogelberg") bleibt aber immer wieder neu eine Herausforderung.
    046-BurgenlandSchnellstraße-SieggrabenerKogel.jpg

    Der direkteste Anstieg vom Sieggrabener Sattel zum Brenntenriegel im Osten ist mittlerweile zum Teil stärker verwachsen; in der kalten Jahreszeit bleibt er aber ohne größere Hindernisse begehbar. Weiter oben erreiche ich dann wieder eine breite Sandstraße und eindeutige Wegweiser.
    049-Wegweiser.jpg
    Von Süden bis Südosten reiche flache Lichtungen bis zum Gipfel des Brenntenriegels hinauf. Da bietet der Anstieg keinerlei Anstrengung und verheißt dafür erneut freie Rundblicke.
    051-BrenntenriegelBäume.jpg

    Die 40 Meter hohe Sendeanlage der BEWAG sowie etliche Parabolspiegel im Gipfelbereich des Brenntenriegels. Auch eine kleine private Sternwarte steht hier, da der Ort sich für Beobachtungen sehr gut eignet.
    053-Brenntenriegel-SenderParabolspiegel.jpg

    Über den Taleinschnitt mit dem Sieggrabenbach geht der Blick im Südosten zu den fast noch benachbarten "Randerhebungen" der Buckligen Welt:
    Rechts der Sperkerriegel (770m) nahe Wiesmath, und knapp außerhalb des linken Bildrandes stünde der Pauliberg, bereits wieder knapp auf burgenländischem Boden.
    057-Sperkerriegel.jpg

    Beim Drehen des Blicks Richtung Westen werden in der Ferne wesentlich höhere Berge sichtbar: links der ausgedehnte Wechselstock, knapp links der Mitte das Stuhleck sowie rechts der markante Sonnwendstein.
    058-WechselStuhleck-Sonnwendstein.jpg

    Ein kleiner Ausschnitt im Zoom: das Alpl (1499m) im Wechsel, nahe der Steyersberger Schwaig, sowie rechts dahinter das Stuhleck.
    Bei der Distanz zum Stuhleck fehlt erneut nicht viel auf 50 Kilometer. An Tagen mit so guter Fernsicht wirken Berge selbst in solchen Entfernungen fast wie benachbart.
    060-ZoomAlplStuhleck.jpg

    Viel weniger Gegensätze hingegen beim Blick Richtung Osten: Da ist das Ödenburger Gebirge (dessen höchste Erhebung der Brenntenriegel ist) von einem sanften Auf und Ab geprägt.
    Da ich gut im vorgesehenen Zeitplan liege, möchte ich bis zum Herrentisch an der Grenze Österreich-Ungarn gehen. In der Luftlinie beträgt die Distanz dorthin nur mehr knapp über zwei Kilometer. (Der Weg folgt allerdings einer ausgeprägten S-Linie und ist daher um einiges länger.)
    061-ÖdenburgerGebirge.jpg

    So schön kann sich die Landschaft im Spätherbst/Frühwinter präsentieren: Letzte Blätter auf den Bäumen und erste Schneespuren am Boden ergänzen einander äußerst ansprechend. 063-Spätherbst.jpg

    Auf der Route Herrentisch - (knapp unter dem) Brenntenriegel - Sieggraben verlaufen sowohl der internationale Pilgerweg "Mária Út" (von Siebenbürgen nach Mariazell) als auch der "Ostösterreichische Grenzlandweg" (=Weitwanderweg Nr. 07). Aber es finden sich noch weitere Wegweiser hier, deren Bedeutung ich erst nachlesen musste:
    Die (Zwergohr-)Eule prägt das Logo des "Naturparks Rosalia-Kogelberg", da sich im Mattersburger Hügelland ihr zweitgrößtes regelmäßiges Brutvorkommen in Österreich befindet. Der - barrierefreie! - Eulenweg ist ein 75km langer Rundwanderweg durch sämtliche Gemeinden des Naturparks.
    064-WegweiserEulenweg.jpg
    Zuletzt geändert von Wolfgang A.; 28.11.2024, 13:05.
    Lg, Wolfgang


    Für mich ist Dankbarkeit ein Weg,
    der sowohl für den Einzelnen
    wie für die Welt zukunftsweisend ist.
    (David Steindl-Rast)

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    • #3
      Der weitere Weg führt im Wald einige Zeit sanft bergab und erreicht dann eine Senke in nur mehr ganz knapp über 500m Höhe - also fast wieder so tief wie auf dem Sieggrabener Sattel. Direkt links der Route befindet sich hier mit der "Grünen Lacke" etwas überraschend ein von der Flora wie der Fauna her sehr interessanter Platz. Auch hier wäre wohl ein Besuch im (fortgeschritteneren) Frühling besonders lohnend!
      067-SchautafelGrüneLacke.jpg

      Im beginnenden Winter deutet aktuell wenig darauf hin, wie ausgeprägt feucht der Boden hier zeitweilig werden kann. Interessant bleibt der Eindruck der sumpfigen Senke mitten in einem ausgedehnten Waldgebiet allemal!
      069-GrüneLacke.jpg

      Anschließend führt ein Sandsträsschen wieder moderat bergauf. Erneut erfreuen die satten Herbstfarben und der blaue Himmel die Augen und das Herz, auch wenn die Blätter mittlerweile zum allergrößten Teil auf dem Boden liegen.
      071-Spätherbstfarben.jpg

      Beim Queren dieser Forststraße habe ich mein östlichstes Tagesziel nahezu erreicht: Sie verläuft hier gerade noch auf österreichischem Boden in unmittelbarer Nähe der Staatsgrenze zu Ungarn.
      074-Forststraße.jpg

      Fast direkt hinter der Forststraße steht schon die Schautafel zum "Herrentisch" mit Erläuterungen zur Geschichte und zum Namen dieses traditionsreichen Platzes. Auf dieser sehr sanften Kuppe des Ödenburger Gebirges stoßen die Gemeindegebiete von Sopron/Ödenburg (heute Ungarn) im Osten, Lackenbach im Süden, Sieggraben im Westen und Rohrbach bei Mattersburg im Norden aufeinander. So kann man mit guten Gründen annehmen, dass die "Herren" der vier Gemeinden einander an dieser Wegkreuzung zu Gesprächen, Verhandlungen und vermutlich auch Jagden regelmäßig trafen.
      073-HerrentischSchautafel.jpg

      Die heute vollständig bewaldete Kuppe ist so flach, dass sie weniger als "Gipfel" erscheint als von ihrer vielfältigen und sehr unterschiedlich alten Infrastruktur geprägt.
      Unübersehbare Tafeln sowie die typischen Steine zeigen an, dass hier (seit 1922) die Grenze zwischen Österreich und Ungarn verläuft. Damals kam das Burgenland - als "jüngstes" Bundesland - zu Österreich. Die Region um die frühere Landeshauptstadt Sopron entschied sich in einer Befragung aber mehrheitlich für die Zugehörigkeit zu Ungarn.
      076-HerrentischStaatsgrenze.jpg

      Dieser stilisierte Torbogen mit einem Kreuz steht für den internationalen Pilgerweg "Mária Út", der von Ungarn kommend hier vorbei zum Wallfahrtsort Mariazell weiter führt. Die ausführlichen Angaben zu den nächsten Etappenzielen findet man auch in Österreich bis ins Rosaliengebirge oft auf eigenen Säulen.
      080-MariaUt-Tor.jpg

      Diese Säule mit der zweisprachigen Inschrift "Freundschaftstreff" wurde erst 1991 aufgestellt, nachdem Österreichs Ostgrenzen - endlich - wieder offen waren.
      Sie regt sogleich mein Nachdenken über die Bedeutung von Grenzen an - und die große Freude darüber, als sie vor 30 Jahren binnen kurzer Zeit (wieder) durchlässig wurden. Gerade in letzter Zeit habe ich leider den Eindruck, dass die Grundstimmung sich wieder deutlich gedreht hat. Da legt sich eine Schwere und Traurigkeit über meine Gedanken...
      082-SäuleFreundschafttreff.jpg

      Auch dieses Kruzifix zeigt die vielbegangene Wallfahrtsroute mit langer Tradition an. Das hier sichtbare Gebet ist auf Deutsch geschrieben, eine Inschrift weiter unten auf der Säule ist in Ungarisch gehalten.
      086-Kruzifix.jpg

      An der Stelle früherer Holztische steht nun seit vielen Jahren dieser Steintisch. Überraschenderweise war er bei meinem Eintreffen von einem jungen Paar besetzt, das für ein Picknick hier sogar ein eigenes Tischtuch dabei hatte. Nachdem die beiden in Richtung Rohrbach aufgebrochen sind, nutze ich gern die Gelegenheit, mich an diesem Grenzort hinzusetzen und zu jausnen. In der ganz ruhigen Umgebung (Auch der Wind ist mittlerweile fast eingeschlafen!) hänge ich noch ein wenig meinen Gedanken nach und freue mich über die Strahlen der bereits recht tief stehenden Sonne, die es nun im beginnenden Winter zwischen den Bäumen bis zu der Tischgruppe schaffen.
      088-HerrentischRastplatz.jpg

      Wer ältere Bilder vom Herrentisch gesehen hat, wird den eigenwillig verschlungenen und ausgeprägt schief wachsenden alten Baum kennen, der lange Zeit gleich hinter dem Tisch stand.
      Auf dem folgenden Foto vom Dezember 2016 ist er noch zu sehen. (Das Original befindet sich auf diesem Blog.) Vielleicht wegen zu großer Einsturzgefahr muss der Baum bald danach gefällt worden sein: Bei meinem ersten Besuch des Herrentischs im März 2018 war nur mehr der Stumpf übrig (Foto in meinem Forumsbericht) .Seither ist der Ort - mit Ausnahme des umplatzierten Mistkübels - im Wesentlichen unverändert geblieben.
      ht-DSC04261.jpg

      Nach etwas über einer halben Stunde Rast mache ich mich auf den Rückweg; so sollte es sich gut ausgehen, dass ich Sieggraben vor Einbruch der Dunkelheit wieder erreiche.
      Von allen Hinweisen um den Herrentisch ist jener auf den "Ostösterreichischen Grenzlandweg" mit Abstand am dezentesten. Aber er ist da - wenn auch in recht eigenwilliger Schieflage...
      091-HinweisGrenzlandweg.jpg

      Den bewaldeten Abschnitt bis zur "Grünen Lacke" und den folgenden moderaten Gegenanstieg gehe ich nun recht zügig. So erreiche ich die Wiesen unterhalb des Brenntenriegels noch in den letzten Sonnenstrahlen und kann mich nochmals an den beeindruckend satten Farben des Spätherbstes erfreuen.
      093-Brenntenriegel.jpg

      Diesmal folge ich dem Pilger- und Weitwanderweg bis ganz ins Ortsgebiet von Sieggraben. Bereits im besiedelten Gelände lädt diese kleine Jakobskapelle nochmals zu einem kurzen Halt ein. Etwas früher am Tag hätte ich sicher auch die Rastgelegenheit genützt.
      095-Jakobskapelle.jpg

      Der letzte steile Abstieg in den Graben hinunter, dann stehe ich wieder auf der Hauptstraße von Sieggraben und gehe an der Pfarrkirche vorbei zum Parkplatz zurück.
      Nach einem Tag mit vielen schönen Eindrücke und fast zur Gänze auf für mich neuen Wegen kann ich mich nun darauf freuen, dass auch die Rückfahrt nach Wien nicht sehr viel Zeit erfordern wird.
      097-SieggrabenPfarrkirche.jpg
      Zuletzt geändert von Wolfgang A.; 01.12.2024, 23:22.
      Lg, Wolfgang


      Für mich ist Dankbarkeit ein Weg,
      der sowohl für den Einzelnen
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      (David Steindl-Rast)

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      • #4
        Informationen zur Wanderung

        17,1 Kilometer Strecke,
        510 Höhenmeter.

        Auf dem ersten Teil meiner Route zum Sieggrabener Kogel und auch noch direkt vom Sattel zum Brenntenriegel finden sich die etwas ausgeprägteren Höhenunterschiede - und bei guten Bedingungen viele einladende Rastplätze und lohnende Fotomotive.
        Vom Brenntenriegel zum Herrentisch und zurück macht man dann - bei nur geringem Auf und Ab - wesentlich mehr Kilometer.

        Der erst 2020 geschaffene "Sieggrabener Kogelweg" wirkt auf mich eher noch wie ein Geheimtipp, ist aber - sobald man die Schnellstraße unterquert hat - immer deutlich beschildert.
        Der direkte Weg vom Sattel zum Brenntenriegel hinauf scheint nicht mehr betreut zu werden. Einzelne (ältere) Markierungen sind noch zu erkennen, der Weg wächst aber vor allem im oberen Teil schon ziemlich zu. Möglich, dass er bei üppiger Vegetation nicht mehr gut zu begehen ist; in den Wintermonaten geht es noch ohne größere Behinderungen.
        Der Abschnitt Brenntenriegel - Herrentisch ist reichlich markiert und gekennzeichnet (Weitwanderweg Nr. 07, internationaler Marienweg und teilweise auch Eulenweg).

        Kein einziger Abschnitt meiner Route ist holprig oder mühsam zu begehen oder ausgeprägt steil. Insofern habe ich sie - trotz recht respektabler Gesamtstreckenlänge - tatsächlich als ein "Genusswandern" erlebt.

        Sieggraben bietet - auf dem Sattel, beim Friedhof und mehrfach entlang der Hauptstraße - problemlos Parkmöglichkeiten an. Besonders vom Tourismus geprägt schien mir die Gemeinde nicht (was Vorteile und Nachteile hat). Einziges Lokal im Ort dürfte eine Konditorei sein, die an Samstagen zu Mittag schließt.

        Seit die frühere Landeshauptstadt Sopron sich für die Zugehörigkeit zu Ungarn entschieden hat, beträgt die West-Ost-Erstreckung des Burgenlands im Bereich des Sieggrabener Sattels nicht einmal fünf Kilometer. Meine Route weist so die Besonderheit auf, dass sie das Burgenland an seiner engsten Stelle fast zweimal zur Gänze durchquert.
        Die Rastgelegenheit auf dem Herrentisch steht knapp in der früheren Sperrzone, genau genommen daher einige Meter auf ungarischem Boden.
        Der Gipfel des Sieggrabener Kogels befindet sich noch zur Gänze im Burgenland. Die Grenze zu Niederösterreich verläuft aber bereits knapp westlich davon - am unteren Rand der Lichtung, von der aus ich zum Schneeberg und zur Rax fotografiert habe.


        Persönliches Fazit

        Das Burgenland ist, soweit ich es einschätzen kann, nicht in größerem Maß als Wanderregion bekannt. Das ist durchaus schade, denn es gibt sehr wohl lohnende und abwechslungsreiche Routen. Ziele im nördlichen Teil des Bundeslands haben dazu noch den Vorteil, dass sie aus dem Raum Wien relativ rasch erreichbar sind.

        Ich habe meine Wanderung als vielfältig und abwechslungsreich erlebt. Der Sieggrabener Kogelweg ist liebevoll angelegt, und an Tagen mit so guter Fernsicht bieten gleich mehrere Plätze tolle Ausblicke. Wie oft kann man schon über die gesamte Kleine Ungarische Tiefebene fast bis zum Plattensee drüberblicken? Im Herbst können sowohl die Farbenpracht als auch eventuell bereits verschneite Hochgipfel in Sichtweite für besondere Eindrücke sorgen.
        Als Grenzland ist die gesamte Region zudem natürlich historisch interessant - was mir mit Abstand am stärksten auf dem Herrentisch bewusst wurde.

        Mehrere Plätze, an denen ich vorbeikam, sind zudem botanisch bemerkenswert. Das gilt sowohl für die Streuobstwiesen und den Halbtrockenrasen auf den Hängen des Sieggrabener Kogels als auch die Grüne Lacke im Ödenburger Gebirge. Daher liebäugele ich damit, meine Eindrücke von der Region bald durch einen weiteren Besuch im Frühjahr, bei bereits entfalteter Vegetation, zu vertiefen.

        Es ist zutiefst erfreulich, dass sich auch im gar nicht so weiten Umfeld Wiens immer noch Orte finden, die ich bisher maximal vom Vorbeifahren kannte, aber noch nie mehrere Stunden lang erwandert habe. Es war für mich sehr bereichernd, einen dieser Orte an einem prachtvollen Spätherbst- bzw. Frühwintertag gründlich erleben zu können.
        Zuletzt geändert von Wolfgang A.; 27.11.2024, 23:34.
        Lg, Wolfgang


        Für mich ist Dankbarkeit ein Weg,
        der sowohl für den Einzelnen
        wie für die Welt zukunftsweisend ist.
        (David Steindl-Rast)

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        • #5
          Grüß Dich!

          Sehr schöne wie immer bestens dokumentierte Wanderung dieses mal im Burgenland.
          Auch ein seltener interessanter Südostweitausblick bis zum Plattensee ist enthalten.
          Für mich eine Neulandwandergegend. Danke für Deine informative Präsentation !

          LG
          Erich


          "Gesundheit ist des Menschen höchstes Gut"

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          • #6
            So schön der goldene Herbst auch ist, ich kann auch dem Übergang über Spätherbst zum Frühwinter was abgewinnen, und deine Bilder sind ein sehr gutes Beispiel dafür.

            Dazu noch die seltenen extremen Weitblicke und die bereits winterliche Rax-Schneeberg-Gruppe ergeben eine lohnenswerte Tour. Und Neues zu erkunden bzw. Bekanntes aus anderen Blickwinkeln zu sehen ist ja sowieso immer lohnend

            Dass man angesichts der geschichtlichen Entwicklung und der gegenwärtigen Stimmung ins Nachdenken kommt, kann ich gut verstehen.

            Vielen Dank fürs Mitnehmen!
            Zuletzt geändert von Hard85; 01.12.2024, 20:43.

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            • #7
              Sehr schöne Runde mit toller Fernsicht in den Osten. Es müssen nicht immer die Alpen sein, wobei ich die ungewohnte Perspektive zum Schneeberg auch mag.

              Bisher war ich nur einmal dort, ist auch schon wieder 8 Jahre her, als ich die Rosalia überschritt bis zum Sieggrabener Sattel.

              Durchaus vorstellbar, das einmal im Frühling zu wiederholen. Meine Fernsicht war damals eher bescheiden.

              Lg, Felix
              http://www.wetteran.de

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              • #8
                Lang ist's her (frühe 90er), dass ich in dieser Gegend dienstlich zu tun hatte. (Turnus im Rahmen der Aufnahme in's BEV)

                Du machst mit deinen schönen Bildern Gusto, dort ebenfalls wandernd unterwegs zu sein.

                LG, Günter
                Meine Touren in Europa

                Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
                (Marie von Ebner-Eschenbach)

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                • #9
                  Vielen Dank für eure Antworten!

                  Ja, auch Tage im Spätherbst/Frühwinter haben ihre Reize! Die Kombination aus letzten verfärbten Blättern auf den Bäumen und den ersten Spuren des Schnees auf dem Boden ist natürlich bei wolkenlosem Himmel und so kräftiger Sonneneinstrahlung besonders attraktiv. Die tolle Fernsicht kam dann als Bonus noch dazu.

                  Gut, dass diese Bedingungen offensichtlich dazu einladen, Regionen zu erwandern, die ich davor allenfalls von der Durchfahrt ein wenig kannte!
                  Und die Vorstellung, auf diesem Rastplatz im Frühjahr zu sitzen, regt wirklich zu einem weiteren Besuch an.
                  041-Rastplatz.jpg
                  Lg, Wolfgang


                  Für mich ist Dankbarkeit ein Weg,
                  der sowohl für den Einzelnen
                  wie für die Welt zukunftsweisend ist.
                  (David Steindl-Rast)

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