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22.4.11: Osterwanderwetter mit Schönheitsfehlern

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  • 22.4.11: Osterwanderwetter mit Schönheitsfehlern

    Guten Abend,

    hiermit melde ich mich aus meinem Urlaub zurück, und präsentiere zugleich die Vorhersage für die kommenden Feiertage, so sie denn frei sind.

    Zuvor aber ein kurzer Rückblick:

    Auf vienna.at bin ich heute über diesen Bericht gestolpert:

    (Link nachträglich wieder entfernt. Lg, Wolfgang A.)

    Als Meteorologe interessieren mich naturgemäß die Umstände, die zu diesem dramatischen Erlebnis geführt haben, entsprechend folgende Aussagen:

    Es war ein schöner Tag und es gab kein Anzeichen für Sturm oder Nebel. Bei 1.500 Metern sind wir sogar noch bei der Bergrettungshütte vorbeigegangen. Uns hat niemand gesagt, dass ein Sturm kommen könnte. 200 Meter unter dem Gipfel zog plötzlich ein wahnsinniger Eisregen auf, es wurde bestimmt um 20 Grad kälter, wir konnten durch den Nebel nichts mehr sehen.
    Daher zunächst eine große Bitte an die eifrigen Berichtschreiber hier:

    Sollte Euch jemals ähnliches widerfahren, schreibt bitte nie "der Tag war schön...", sondern merkt Euch, ob es Wolken gab und wenn ja, ob sie hoch, mittelhoch oder tiefliegend waren. Denn selbst aus nur wenigen Wolken lassen sich Rückschlüsse auf den weiteren Wetterverlauf ziehen. Eine Hilfestellung, um welche Wolken es sich handelt, bietet der Karlsruher Wolkenatlas: http://wolkenatlas.de/

    An besagtem Tag zogen von Nordosten ein paar tiefliegende Wolken eines umfangreichen Balkan-Tiefdrucksystems durch. Am Nachmittag kam es im Rax-Schneeberggebiet zu leichtem Schneefall (keine messbaren Mengen), dabei wehte den ganzen Tag (!) kräftiger Wind mit 30 bis 40 km/h im Mittel und 50 bis 70 km/h in Böen, am Nachmittag und Abend vorübergehend auf 50 km/h im Mittel und 70 bis 85 km/h in Böen anziehend. Von einem plötzlichen Sturm kann dennoch nicht die Rede sein, der Übergang verlief schleichend.

    Bei besagter Bergrettungshütte handelt es sich vermutlich um die Heinrich-Krempel-Hütte, die an der Westflanke des Schneebergs liegt. Entsprechend wetter/windgeschützt, wenn - wie hier - das schlechte Wetter von Nordosten kommt. Auf besagten 200 m unterhalb des Gipfels dürfte die Schlechtwetterfront bereits übergegriffen haben, daher der Eindruck eines plötzlichen Wettersturzes. Die 20 Grad Temperatursturz sind allerdings Quatsch, in 1500 m Höhe herrschten konstant -10 bis -12 Grad.

    Erklärbar ist dieses abrupte Kälteempfinden aber durch den Übertritt von windschwacher Westflanke auf den exponierten Gipfelbereich. Plötzlich sind niedrige Temperaturen, hohe Windgeschwindigkeiten und geringer Niederschlag (Verdunstungskälte!) in Kombination gegeben und erzeugen starken "Windchill"-Effekt. Die ca. -14°C auf dem Gipfel (Klosterwappen) des Schneebergs (Annahme: gemessen wurden -11 auf der Rax/Seilbahnstation in 1500 m, darüber Wolken mit 0,65 °C/100 m Temperaturänderung ergibt 5*0,65 = 3,3 °C/500 m => ca. -14°C) fühlen sich bei 80 km/h Windböen wie -42°C an.

    Eisregen ist bei derartig niedrigen Temperaturen nicht möglich, da in höheren Atmosphärenschichten die dafür notwendige warme Temperaturschicht fehlte. Entsprechend meinte der Bergsteiger wohl die unterkühlten Wassertröpfchen in der Wolke, die natürlich bei den kräftigen Windböen alles benetzen.

    Mein persönliches Fazit:

    Da die Wolken mit den geringen Schauern von Nordosten aufzogen, wähnten sich die Bergsteiger an der Westflanke des Schneebergs in Sicherheit. Mit dem Erreichen des Gipfelbereichs schlug das Wetter um, unvorhergesagt waren allerdings weder der starke Wind noch der entsprechende "gefühlte" Temperatursturz.

    Empfehlung:

    Auch an vermeintlich "schönen" Tagen immer den Himmel im Blick behalten, auf die Wolken achten. Gerade bei Überschreitungen, besonders bei größeren Bergmassiven wie dem Schneeberg kann sich eine "Wetterscheide" ausbilden, d.h. je nach Anströmung herrscht schönes oder schiaches Wetter. Evtl. hätte vor Beginn der Tour ein Blick auf die Webcams auf dem Schneeberg http://schneeberg.tv/ Aufschluss über das Wetter am Gipfel bzw. weiter nordostwärts gegeben.

    Im zweiten Teil dann die Vorhersage.
    Zuletzt geändert von Wolfgang A.; 14.10.2011, 18:39.
    http://www.wetteran.de

  • #2
    AW: 22.4.11: Osterwanderwetter mit Schönheitsfehlern

    Die Frage, die sich die Meteorologen und auch viele Gärtner und Heuschnupfengeplagte derzeit am häufigsten stellen ist, wann diese ungewöhnliche Trockenperiode, die in die Wetterhistorien eingehen wird, endlich zu Ende ist (dieser Satz ist es jetzt zumindest).

    Eins vorweg: Flächendeckender Landregen ist derzeit nicht in Sicht, die Trockenheit wird nur sporadisch beendet, da die Niederschläge in nächster Zeit überwiegend schauerartiger Natur sein werden, jahreszeitgemäß.

    Morgen, Karsamstag, setzt sich das für die Jahreszeit weiterhin zu milde und überwiegend zu trockene Aprilwetter fort. Am Alpenhauptkamm hat sich eine leichte Föhnströmung etabliert, die in exponierten Gipfelbereichen zu starken Böen führen kann (40-50 km/h), markantere Föhnböen zeichnen sich aber nicht ab. Auch in den Wiener Hausbergen lebt unterwegs wieder böiger Südostwind auf.

    Im Tagesverlauf entstehen im Bergland ein paar Quellwolken, die am gesamten Westalpenbogen über den Tiroler Hauptkamm bis zu den Hohen Tauern zu einzelnen Schauern, vereinzelt auch Gewittern, heranwachsen.
    Der Schwerpunkt der Schauertätigkeit wird über der Zentralschweiz sowie über dem Tiroler Oberland gerechnet. In Süd- und Osttirol sowie nördlich des Hauptkamms (föhnig!) ist das Schauerrisiko geringer.

    Hochaufgelöste Modelle rechnen außerdem eine leichte Schauerneigung von den Gutensteiner Alpen über Rax-Schneeberg bis zum Wechsel.

    Am Ostersonntag werden die Schauer und Gewitter insgesamt zahlreicher, Schuld daran trägt ein Kaltlufttropfen, das ist ein nur in höheren Atmosphärenschichten ausgeprägtes Tiefdruckgebiet, das vom Barometer am Boden demzufolge nicht erfasst wird. Es bringt kältere Luft in der Höhe (später auch am Boden), und sorgt damit für eine Labilisierung (Temperaturgegensätze zwischen Boden und Höhe nehmen zu). Meist sind diese Gebilde so klein, dass sie in der Strömung um das Hochdruckgebiet ("antizyklonal") wandern, in unseren Breiten meist von Ost nach West. Die Vorhersager-Regel lautet: "der größere Wirbel steuert immer den Kleinen", was folglich zutrifft.

    Der Sonntagvormittag verläuft östlich der Tauernregion meist noch freundlich mit ersten, harmlosen Quellwolkenbildungen, weiter westwärts sind bereits erste Schauer möglich. Am Nachmittag gehen im gesamten Alpenraum einzelne Schauer und Gewitter nieder, am häufigsten sind sie zwischen Ostschweiz und westlicher Obersteiermark, auszuschließen aber nirgends. Der Wind dreht auf unterschiedliche, vermehrt aber auf nordwestliche Richtungen, bleibt aber schwach. An den Temperaturen ändert sich kaum etwas.

    Aufgrund der allgemeinen windschwachen Lage besteht die Hauptgefahr bei den Schauern/Gewittern in Starkregen. Hagel bleibt meist kleinkörnig, stürmische Böen stellen die Ausnahme dar.

    Nachts schwächen sich die Schauer allgemein ab, am längsten hält die Aktivität im Süden und Osten an.

    Dort ist am Ostermontag von der Früh weg mit vielen Wolken zu rechnen, vor allem untertags entstehen zahlreiche Schauer und einzelne Gewitter, gebietsweise kann es auch längere Zeit regnen, speziell zwischen Unterkärnten und Mittelburgenland. Nördlich des Hauptkamms halten sich noch ein paar Restwolken, die untertags aufquellen. Schauer gibt es hier aber kaum noch. Vom äußersten Westen Österreichs abgesehen liegen die Höchstwerte überall etwas niedriger als am Vortag, die 22 Grad werden kaum noch überschritten.

    Ausblick:

    Der besagte Kaltlufttropfen sorgt trotz Abschwächung auch am Dienstag und Mittwoch für leicht unbeständiges Wetter im West- und Zentralalpenraum, speziell am Nachmittag und Abend entwickeln sich hier Schauer und Gewitter. Leicht wetterbegünstigt mit geringer Schauerneigung kann es östlich vom Hochschwab bleiben, wo der Hochdruckeinfluss langsam wieder zunimmt. Die Temperaturen ändern sich kaum, je nach Sonne und Schauerneigung liegen die Höchstwerte zwischen 17 und 24 Grad.
    http://www.wetteran.de

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    • #3
      AW: 22.4.11: Osterwanderwetter mit Schönheitsfehlern

      Ja vom Damböckhaus ausgesehen war nur die Fischerhütte in Nebel gehüllt. Für mich liest sich das Ganze wie eine Baron Münchhausen Geschichte. So wie das verfasst war dachte ich der ganze Gipfel war in Nebel gehüllt und er ist vom Schneeberg gekommen. Hat mich ja gewundert wieso er ~3 km Luftlinie durch eine eisige Nebelwand gewandert ist anstatt umzudrehen und auf der "sicheren" Seite bei der Salamanderbahn abzusteigen

      Nächstesmal einen anderen Berg ohne Webcams!! für solche Geschichterl aussuchen.....

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      • #4
        AW: 22.4.11: Osterwanderwetter mit Schönheitsfehlern

        Hatte so eine Situation mal am Hochschwab über die Aflenzer Bürgeralm-Mitteralm kommend im Abstieg zur Fölzalm. Ich war wohl einer der ganz wenigen Bergwanderer, die sich vor der Tour eingehend übers Wetter informiert hatten, denn alle Wettervorhersagen waren gut für den Tag, lediglich für die Steiermark-ost war von Gewitterzellen die Rede. am Mitterlam-Plateau war Richtung Westen bald einen schwarze Wolkendecke erkennbar - da habe ich per handy in Innsbruck beim ÖAV-Wetterdienst angerufen und der Meterologe wollte ganz genau wissen wo ich mcih gerade befinde und sagte mir ja die Gewitterzelle ist max. 1km von mir entfernt und so war es dann auch! wenig später entlud sich ein Bomben-Gewitter mit Hagel, der bald alles mit einer weißen rutschige Schichte bedeckte.
        Knapp vorm Sattel traf ich auf einen Berwanderer mit kurzer Hose, T-Shirt, der sich verrirrt hatte und nicht mehr wußte, wie er zu seinem Auto zurückkäme...

        Seine Frau ließ er gut 500m zurück, die mußte die Bergschuhe wegen Blasen ausziehen und ging dann mit leichten Turnschuhen bergab, was auf dem durch Hagel extrem rutschigen und auch steilen Gelände mehr als lebensgfefährlcih war(Stöcke hatten sie beiden nicht mit).

        Beide haben sich dann bei mir über den ihrer Meinung nach völlig falschen Wetterbericht beklagt!

        Fazit aus der Geschichte: Ich habe schon von Beginn an der Wanderung die Wolken beobachtet(das tue ich immer) und dann wenn der Wetterdienst Dienst hat, rufe ich auch öfters dort an...
        LGr. Pablito

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        • #5
          AW: 22.4.11: Osterwanderwetter mit Schönheitsfehlern

          Am Grazer Flughafen gab es heute Böen bis 97 km/h, sonst wie erwartet kaum nennenswerte Böen. Örtlich ist kleinkörniger Hagel aufgetreten, einzelne Gewitterzellen waren recht intensiv, z.B. im westlichen Waldviertel. Dort kann es auch größeren Hagel gegeben haben. Aufgrund der sehr trockenen, bodennahen Luftschichten sind die Regenmengen eher marginal ausgefallen, von einzelnen Gewitterzellen abgesehen, die durchs Messnetz geschlüpft sind.
          http://www.wetteran.de

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