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Überquerung Totes Gebirge 17.2-18.2.2008

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  • Überquerung Totes Gebirge 17.2-18.2.2008

    Für die nächsten Tage war laut Wettervorhersage viel Sonne prognostiziert, der letzte Neuschnee in den steirischen Nordalpen-West schon Einiges zurückliegend: die Bedingungen für eine Überquerung der Death Mountains müssten passen.
    Als absolutes Greenhorn, was das Tote Gebirge betrifft, versuchte ich in den Weiten des WWW zu notwendigen Informationen zu kommen. Gehzeiten, Hüttenverfügbarkeit etc. Vieles fand ich, manches aber widersprüchlich: Ist der Winterraum frei zugänglich oder brauche ich einen AV-Schlüssel oder muss ich mich überhaupt beim Hüttenwart anmelden?
    Was, wenn wider Erwarten doch tief zu spuren ist, die Orientierung durchs Dolinengewirr schwieriger als erwartet und am Ende des Tages noch Weg übrigbleibt? Fürs erste Mal in diesem Gebiet wählten wir deshalb den “Schneckenstil”: Gemütliches Tempo, aber Haus am Rücken und damit unabhängig von der Infrastruktur am Berg.
    Sonntag früh gings bei der Talstation der Loserbergbahnen los: Übermütig hatten wir uns gegen die Benützung der Seilbahn entschieden und so marschierten wir die Schipisten schneckenmäßig hoch, einige Skyrunner zogen in atemberaubendem Tempo an uns vorbei. Die bräuchten für die Überquerung auch keine Hütte, denen reichte sicher das Hüfttascherl.


    Noch bevor die ersten Schifahrer uns niederwalzen konnten hatten wir das Schigebiet verlassen und folgten den zahlreich vorhandenen Spuren Richtung Appelhaus.
    Am Schwarzmooskogel konnten wir erstmals die Felle runternehmen und eine schöne Abfahrt hinunter zum Augstwiessee genießen:


    Dann war aber wieder “Schitourengehen” angesagt, vorbei am Schlumpfdorf (Augstwiesenalm)


    zum Appelhaus. Nach meiner Recherche im Web hatte ich nicht den frei zugänglichen, beheizbaren Winterraum , der einiges zu bieten hat, erwartet:


    Wir hatten übrigens Angst, dass das Bier hier einfriert und wenigstens eine Flasche um wohlfeile 3 Euronen (inkl. Trinkgeld) vor diesem Schicksal bewahrt.

    Nach der Mittagsrast dann einer zugewehten Spur folgend immer ostwärts Richtung Pühringerhütte. Kurz vor dem Anstieg zum Hochkogel dann eine beginnende Stangenmarkierung, übrigens mit einer etwas anderen Wegführung als die Schitourenroute in der digitalen AV-Karte. Ein würdiger Abschluss dann die Abfahrt über schöne Hänge (ca. 350 hm) zur Pühringer Hütte, die man erst sieht wenn man schon beinahe unten ist.
    Sunset Pühringer:


    Der ebenfalls frei zugängliche Winterraum (laut Alpenvereinshüttenbeschreibung mit AV-Schloss), der in einem Nebengebäude untergebracht ist, spielt wirklich alle Stückln: im Untergeschoß der Aufenthaltsraum, ebenfalls mit Getränke- und Spirituosenvorrat, Werkstätte und Trocken-WC-Container. Darüber das geräumige Schlaflager, das einiges an Wärme von unten abbekommt. Leider war das Bier schon aus, im Kühlschrank nur noch eine Menge Red-Bull-Dosen: Offensichtlich gehöre ich mit meiner Ansicht für ein gesundes abendliches Berggetränk der eindeutigen Mehrheit an.

    Am nächsten Tag dann die Etappe direkt durchs zentrale Karstplateau. Entlang von zugewehten, aber noch erkennbaren Spuren und einer Stangenmarkierung (allerdings teilweise beträchtliche Abstände) gehts im Zick-Zack (sowohl horizontal als auch vertikal) durch die arktisch anmutende Schneewüste immer südwärts.




    Zu Mittag wird’s dann zunehmend windig worauf wir dann schauen dass wir bald in weniger exponiertes Gelände kommen.


    Auf der Sigistalhöhe dann schnell Felle runter, zur Markierungsstange. Blick hinunter, sind da frische Einwehungen, nachdem es hier ganz schön stürmisch ist? Nein, alles OK, viele alte Abfahrtspuren, nichts zugedeckt. Also los: hart aber griffig geht es Schwung um Schwung hinunter, endlich wieder Abfahrt nach der langen Hatscherei und eine beeindruckende noch dazu!


    Plötzlich die Ernüchterung: Da wendet sich nichts nach Südost Richtung Leistalm wo wir eigentlich hinwollten, schnurgerade gehts da soweit das Auge reicht bis in den Talgrund. Ein Blick in die Karte bestätigt: wir sind nicht da wo wir sein wollten, sondern im Sigistal. Auch kein Wunder, heißts doch oben auch Sigistalhöhe! Blick hinauf: Sooo weit wieder rauf? Mit Harscheisen wahrscheinlich kein Problem, auch Steigeisen hätten wir im Rucksack. Aber irgendwie kommt keine Begeisterung auf. Wo kommen wir hin wenn wir da einfach weiterfahren? Nach den vielen Abfahrtspuren scheint das ja eine beliebte Tour zu sein! Hinterstoder, sagt die Karte. Na gut, das Schicksal will es so, sagen wir und genießen die Abfahrt. über ca. 1300 hm!
    So kam es, dass aus der geplanten 3-Tages-Tour zur Wurzeralm eine 2-Tages-Tour Altaussee-Hinterstoder wurde.
    Das Gelächter habe ich jetzt sicher auf meiner Seite. Aber Ehrenwort, genau so hat es sich zugetragen!

    LG Hans
    Nach uns die Sintflut.

  • #2
    AW: Überquerung Totes Gebirge 17.2-18.2.2008

    "da möchte ich auch einmal hin", so mein Eindruck bei den "Arktis"Pics
    schön ist dein Bildbericht geworden!
    I nix daham bliem!

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    • #3
      AW: Überquerung Totes Gebirge 17.2-18.2.2008

      Fantastisch, die Überschreitung!
      Die rennt mir schon lange nach, und immer kommt etwas dazwischen.
      Herrliche Fotos, und schifahrerisch ist das Sigistal ja ein Leckerbissen, also habts euch sicherlich nicht sehr geärgert!
      LG, bp
      [SIZE="2"][SIZE="1"]Good bye ...[/SIZE][/SIZE]

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      • #4
        AW: Überquerung Totes Gebirge 17.2-18.2.2008

        super Tour & klasse Fotos...hoff dass ich die Tour, in irgendeiner Art, auch mal bald machen werde.

        lg
        bernhard

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        • #5
          AW: Überquerung Totes Gebirge 17.2-18.2.2008

          Zitat von GrazerHans Beitrag anzeigen
          So kam es, dass aus der geplanten 3-Tages-Tour zur Wurzeralm eine 2-Tages-Tour Altaussee-Hinterstoder wurde.
          Das Gelächter habe ich jetzt sicher auf meiner Seite. Aber Ehrenwort, genau so hat es sich zugetragen!
          Manchmal kommt´s auf Touren anders als man denkt. Das ist schön, genau wie dein Bericht!

          Ich muss mich den Vorpostern anschließen: Da muss ich auch mal hin, eine mehrtägige winterliche Überschreitung hat was.
          Sind mir doch die schönen Eindrücke unserer 2 Tagestour aus dem letzten Sommer noch in sehr guter Erinnerung.

          Danke für deine Bilder!

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          • #6
            AW: Überquerung Totes Gebirge 17.2-18.2.2008

            Hallo Hans,
            die Frage ist, wo ihr überhaupt hin wolltet.
            Zur Tauplitzalm oder gleich weiter zur Liezenerhütte (was ich fast annehme, nachdem ihr zur Sigistalhöhe gegangen seid).
            Man muss von der Sigistalhöhe direkt nach Süden unschwierig über ein paar Felsen hinauf (Skier kurz abschnallen) auf den breiten und ebenen Rücken zwischen Grubstein und Gamsspitz und dann die Leisthüttgrube abfahren, wobei man sich im unteren Teil gleich links (östlich) hält und so den breiten Graben des Steigtals erreicht. Die Quelle im Steigtal ist übrigens freigeschaufelt. Nun nicht dem Steigtal folgen, das nach Norden zum Salzsteigjoch zieht, sondern gleich in einen weiteren Graben, der nach Osten zu den Interhütten führt.
            Um ein weiteres "Verirren" zu verhindern gleich noch ein Tipp: Von den Interhütten nicht gerade nach Osten weiter - man kommt dort zu einem steilen Abbruch - sondern dem dort ansetzenden Graben folgen (Richtung OSO) bis zum Waldbeginn. Dort findet man einen Wegweiser. Im Wald leicht linkshaltend (Sommermarkierung) nach wenigen Metern auf einen Sattel und Abfahrt in nördlicher Richtung und möglichst hoch den Graben überqueren auf die Sonnseite. Immer noch hoch haltend in den Wald und dem Sommerweg folgend hinunter zum Grimmingbach und zur Brücke. Jenseits der Brücke etwa 50 Hm ansteigen und versuchen, die Trasse des Sommerweges zu finden. Die Markierungen an den Bäumen sind bei der derzeitigen Schneelage nur selten zu sehen. Die Hänge zum Grimmingbach hinunter sind mitunter sehr steil.
            Soweit meine Tipps für ein gutes Gelingen.
            LG
            Reinhold

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            • #7
              AW: Überquerung Totes Gebirge 17.2-18.2.2008

              Zitat von ReinholdB Beitrag anzeigen
              die Frage ist, wo ihr überhaupt hin wolltet.
              Wir wollten, wie du richtig vermutet hast, hinunter zur Leistalm, Interhüttenalm, Grimmingboden zur Hochmölbinghütte. Die ist momentan bewirtschaftet, wie uns 2 Überquerer, mit denen wir auf der Pühringer Hütte den Winterraum geteilt hatten, mitgeteilt haben. Diese hatten die Überquerung einen Tag vor uns von der Wurzeralm gestartet und auf der Hochmölbinghütte genächtigt.
              Ich danke dir für die sehr detailreiche Beschreibung der "Schlüsselstellen".
              Wenns wieder mal passt werden wir diesen Teil der Tour sicher noch machen. Mir schwebt da ein Start auf der Tauplitz vor, mit Anstieg aufs Große Tragl, bevor wir wieder die Sigistalhöhe aufsuchen, dort haben wir ja noch eine Scharte auszuwetzen.Deine Beschreibung werde ich ausdrucken und mir auf die Schi picken, vielleicht schaffen wir es ja dann!
              Nach uns die Sintflut.

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              • #8
                AW: Überquerung Totes Gebirge 17.2-18.2.2008

                Gerne geschehen!
                LG
                Reini

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                • #9
                  AW: Überquerung Totes Gebirge 17.2-18.2.2008

                  Feine Tour bei herrlichem Wetter (wenn auch ein wenig frisch, wie ich vermute). Die große Überschreitung ist und bleibt eines d e r Abenteuer für Schiwanderer in unseren Breiten...
                  Ich durfte sie bisher schon 3x gehen, den Ostteil allerdings in Einzeletappen, und bekomme -dank Deiner schönen Bilder -gleich wieder Lust.

                  Schön, dass die wichtigen Stützpunkte wieder zugänglich sind, und das kann hoffentlich so bleiben

                  Grüße snowfox

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                  • #10
                    AW: Überquerung Totes Gebirge 17.2-18.2.2008

                    Zitat von GrazerHans Beitrag anzeigen

                    Wir hatten übrigens Angst, dass das Bier hier einfriert und wenigstens eine Flasche um wohlfeile 3 Euronen (inkl. Trinkgeld) vor diesem Schicksal bewahrt.
                    Zu zweit ein Bier,
                    na ihr habts es aber tuschen lassen.
                    La lutte elle-même vers les sommets suffit à remplir un cœur d'homme.
                    [Le Mythe de Sisyphe, Albert Camus, 1942]

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                    • #11
                      AW: Überquerung Totes Gebirge 17.2-18.2.2008

                      Liebe Bergfreunde !
                      Gratuliere zu dieser traumhaften Tour und ausgezeichneten Fotos. Kenne diese Tour leider nur im Sommer. Doch ihr habt mir richtigen Gusto gemacht. Muss ich demnächst auch als Wintertour versuchen.
                      Liebe Grüsse und ein Hoch auf den Fotografen/In - Yeti 55.
                      Herrgott is d`Hoamat schen !

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